Spaß haben oder Kino – deine Entscheidung

Ich hätte da diesen Kunden gehabt. Er hat mir eine rechtzeitige Anfrage geschickt und in der ersten Mail alle wichtigen Informationen genannt. Das kommt leider wirklich selten vor, obwohl das ja echt nicht so schwer ist. Dieser Kunde schickte mir 2 Tage vor dem Date eine Absage, weil er familiäre Probleme und damit keinen freien Kopf hatte.

Kein Problem. 2 Tage im Voraus sind in Ordnung und ich war ihm deswegen auch nicht böse, weswegen ich das in eine nette Mail verpackte: „Kein Problem. Danke für deine rechtzeitige Absage. Meld dich einfach, wenn du mal wieder in der Stadt sein solltest.“

Alles total unverbindlich, nur eine Erinnerung daran, dass ich mich immer noch mit ihm treffen würde. Andere Frauen reagieren auf Absagen total empfindlich und sperren jeden sofort, der es wagt ihren Termin wieder abzusagen. Aber mir kommt auch mal etwas dazwischen, daher kann ich das nachvollziehen.

Statt mir zu schreiben, dass er das gerne tun würde, schreibt er, dass das aber sehr schwierig sei, weil er nur sehr selten in meiner Gegend ist. Ich antworte mit „wie schade“. Einfach nur so. Weil ich nett sein will.

„Ja, wirklich sehr schade. Ich bin sexuell auch total aufgeladen, aber ich könnte das, was wir geplant haben, nicht in die Tat umsetzen. Dafür ist mein Kopf zu voll und bei dieser intensiven Spielart darf das nicht sein. Ich werde einfach stumpf auf den Weihnachtsmarkt gehen und danach stumpf im Pornokino meinen Frust ablassen.“

Aha. Okay. War dann auch meine Reaktion. Wieso erzählte er mir das auch?

„Sie sind wahrscheinlich nicht daran interessiert mich zu begleiten, nehme ich an?“ Wieso siezte er mich plötzlich? Ich verneinte und wies ihn darauf hin, dass es in dieser Stadt sowieso nur ein sehr schäbiges Pornokino geben würde, wo keiner freiwillig reingehen will.

„Verstehe. Sie sollten das auch nicht tun. Sie sind sicherlich besseres gewohnt und haben das auch verdient.“ Okay. So weit so gut.

 

Nachdem er mir also rechtzeitig abgesagt hat, konnte ich einen anderen Termin wahrnehmen. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sein eigenes Unternehmen irgendwann verkauft hatte und jetzt nur noch als Berater tätig war. Sehr kommunikativ, sehr zuverlässig, sehr seriös. Wir telefonierten und machten alles fest und nachdem ich die Uhrzeit bestätigt habe, meldet sich der erste wieder. Er will mich doch treffen, weil er sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen möchte.

Ich stimme zu, denn zu der eigentlich ausgemachten Zeit, hätte ich beide Termine locker wahrnehmen können. Aber nein. Er möchte es gerne auf eine Stunde nach hinten verlegen, weil er noch „shoppen“ gehen will. Das passt mir aber nicht mehr und ich sage ihm ab.

Er versucht mich noch zu überreden und letzten Endes erzähle ich ihm, dass ich noch ins Kino gehe. Da fragt man nicht nach, denn da steht die Startzeit fest und ich weiß, dass ich potentielle Kunden verlieren könnte, wenn sie wissen, dass ich mehrere Termine am Tag wahrnehme. Schließlich wollen sie ja denken, dass sie die einzigen sind und ich lasse sie gerne in diesem Glauben.

Wenige Minuten später habe ich diese Nachricht im Postfach:

„Kino oder Geld verdienen und dabei auch noch Spaß haben. Aber das muss ja jeder selbst wissen.“

Sprachlos schaute ich auf den Monitor. Das war in so vielerlei Hinsicht dreist. Nicht nur, dass es ganz allein seine Schuld gewesen ist, dass das Date nicht zu Stande kommt und er mir jetzt Vorwürfe dafür machen will, weil ich mir eine andere Option gesucht habe. Nein, jetzt erlaubt er sich auch noch mir sagen zu wollen, dass ein Treffen mit ihm viel lohnenswerter sei, als ins Kino zu gehen.

Meine Antwort nahm ihm aber jeglichen Wind aus den Segeln:

„Tja. Im Gegensatz zu dir, sage ich meine Verabredungen nicht so leichtfertig ab und auf die xx Euro bin ich auch nicht so sehr angewiesen, als dass ich eine Freundin ohne Begleitung einfach stehen lasse.“

Seine Antwort bestand lediglich aus einem Wort: „Autsch“

Und dann fing er an, mich wieder zu siezen, aber ich hatte einen Termin.

 

Der neue Kunde war wie schon in den Mails zuvorkommend, höflich und zuverlässig. Wie abgesprochen wartete er vor dem Hotel, um das Taxi zu bezahlen mit dem ich kam. Er redete viel. Viel über sich selbst. Aber das war in Ordnung. Er sprach von vielen Wiederholungen, von einem Overnight beim nächsten Mal. Aber das glaube ich erst, wenn ich die Anfrage dafür bekommen habe. Sonst nehme ich das nämlich nicht ernst und bis jetzt kam auch noch nichts. Wie erwartet.

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Wir können uns doch auch so treffen

Es ist Dienstagabend im nicht so tiefen Winter. Es ist aber schon sehr kalt und sehr dunkel, als ich mich auf den Weg zu Johannes mache.

Johannes ist 26 und beschreibt sich selbst als recht attraktiv. Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Treffen überhaupt wahrnehmen soll. Was bewegt einen jungen und recht attraktiven Mann dazu, mich zu buchen? Er klingt am Telefon recht schüchtern und wahrscheinlich fällt es ihm schwer, Frauen in der Bar anzusprechen und mit nach Hause zu nehmen. Aber zu Zeiten von tinder und online Dating könnte er diesen Schritt ja auch einfach überspringen. Ich überlege mir jedes mögliche Szenario, wieso er mich zu sich nach Hause locken könnte und schließe am Ende alles aus. Es gibt keinen Grund mich zu verarschen. Außerdem habe ich seinen vollen Namen, seine Handynummer und seine Adresse. Er weiß, dass ich Vorsichtsmaßnahmen treffe und er am Ende sowieso auffliegen wird. Einen geplanten Mord schließe ich daher auch aus.

Also beschließe ich mit reichlich Verspätung, dass ich es wage und steige in die Bahn vor meiner Tür, die mich direkt bis vor seine Tür bringen soll. Naja, nicht ganz genau davor. Ein Stück muss ich schon laufen und komme mir in dieser doch sehr dörflichen Gegend schon ein wenig komisch vor. Wieso sollte ein junger Kerl ohne Familie dort wohnen?

Ich drehe mich um und erkenne ein sehr großes Unternehmen, was in meiner Stadt ansässig ist. Viele, wirklich viele Menschen arbeiten dort, vor allem junge Leute, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und nun eine Trainee Stellung haben. Es wirkt also alles sehr schlüssig. Wahrscheinlich hat mir Johannes die Wahrheit erzählt. Nämlich, dass er erst vor kurzem hergezogen ist und bis auf seine Kollegen niemanden kennt. Er ist einsam und sehnt sich nach weiblicher Gesellschaft. Sein gut bezahlter Job erlaubt es ihm, ein Escort zu sich nach Hause zu bestellen. Das ist auch viel bequemer als umständlich jemanden in der Bar oder online kennen zu lernen und erst Wochen mit daten und schreiben zu verschwenden, wenn er einfach nur schnellen Sex will.

 

Ich stehe nun vor der Unterkunft. Es ist ein altes Wohnhaus, was vor kurzem umgebaut wurde und nun ein paar Airbnb Appartements beherbergt. Ich muss durch ein Tor gehen und stehe dann im Hinterhof. Ich stehe vor einer Terrassentür, an der ich klopfe und sofort öffnet Johannes mir. Tatsächlich steht ein junger, recht attraktiver Mann vor mir. Er wirkt sehr gepflegt und seriös und vor allem sehr nervös und schüchtern. Er hat nicht gelogen und er ist mir sofort sympathisch. Ich komme rein und ziehe meinen Mantel aus. Er hilft mir und ich umarme ihn erstmal, damit wir warm miteinander werden. Ich möchte zunächst das finanzielle klären und mit zitternden Händen holt er das Geld aus seinem ledernen Portemonnaie. Ich schaue mich in dem kleinen Gästezimmer um, das recht unmodern eingerichtet ist.

„Der Vermieter hat es renoviert und vermietet es für mehrere Monate an eine Person. Meine Arbeitsstelle ist direkt in der Nähe und am Wochenende bin ich eh nicht hier. Daher reicht das, bis ich was anderes finde“, erklärt er mir, als er meinen verwunderten Blick sieht. Es sieht eher aus wie ein kleines Zimmer eines Landhotels als ein Appartement für junge Berufsanfänger.

Er ist noch immer nervös und ich versuche ihm diese zu nehmen. Ich berühre ihn, umarme ihn und fange an ihn zu küssen. Er wird ruhiger und fängt an mich auszuziehen. Es gibt nur ein schmales Einzelbett, auf das er mich drückt. Er zieht sich ebenfalls auf. Er ist gut trainiert, hat ein sichtbares Sixpack und ist wirklich gut bestückt. Dazu höflich und nett. Wenn auch recht hektisch. Ich ziehe ihm ein Gummi über, er will, dass ich ihn reite, aber da mir die Stellung keinen Spaß bringt, hat er auch nichts davon und ich biete ihm an, mich von hinten zu nehmen.

Er packt mich an der Hüfte, drückt mir seinen Schwanz rein und fängt sofort an, mich ziemlich hart zu stoßen. Andere Frauen hätten vor Schmerzen aufgeschrien. Ich stehe da zum Glück ziemlich drauf und schnell verwandelt sich der anfängliche Schmerz in etwas ziemlich Gutes, was mich nicht nur sehr nass werden lässt, sondern auch noch ziemlich laut.

 

Er wird schneller und härter und ich muss irgendwann eine kurze Pause einlegen, weil er sehr ausdauernd ist und langsam die Schmerzen überwiegen. Wir wechseln die Position, aber das scheint ihn nicht halb so sehr anzumachen wie die letzte, also tauschen wir wieder. Ich halte mich am Bett fest, er steht hinter mir und dieses Mal geht es besser. Ich feuere ihn an, er kommt und ist völlig außer Atem.

„Das war ziemlich gut“, sagt er und ich bestätige es. Das war tatsächlich ziemlich nach meinem Geschmack und sehr einfach.

Die Zeit ist um und wir ziehen uns wieder an. Er will nicht kuscheln oder ähnliches. Für ihn hat das gereicht.

Wir verabschieden uns und ich sage ihm, dass er sich melden darf, wenn er das wiederholen will. Standardsatz.

Ich fahre wieder nach Hause und höre lange Zeit nichts von ihm. Als ich zu Besuch bei einer Freundin bin, bekomme ich über mein Zweithandy plötzlich eine Nachricht. Es ist Johannes. Er schreibt:

„Hey, kannst du dich noch an mich erinnern? Du hast mich mal besuchen. Wir hatten viel Spaß, ich glaube du bist auch auf deine Kosten gekommen. Hast du Lust demnächst mal zu mir zu kommen? Ich wohne jetzt viel zentraler. Ich könnte mir auch ein normales Sexdate vorstellen. Nur unsere Leidenschat, ohne dass Geld zwischen uns steht.“

Puh. Ich habe gedacht, dass er nach einer Wiederholung fragt, stattdessen will er mich für dumm verkaufen und nach kostenlosem Sex fragen. Das kommt ziemlich häufig vor. Männer, vor allem junge und attraktive Männer, sind so von sich überzeugt, dass sie denken, dass alle Frauen ihnen hinterher rennen würden und sich darum reißen, mit ihnen schlafen zu dürfen. Dass es vor allem das Geld ist, was sie zum Zug kommen lässt, bedenken sie irgendwie nicht.

Ich antworte mit: „Nee, auf Treffen ohne Geld lasse ich mich nicht ein.“

Nur wenige Minuten später erhalte ich die Antwort: „Schade, gibt es da keine Chance? Du brauchst doch auch mal jemanden, der dich will ohne Geld. Ich bin doch auch attraktiv und in deinem Alter. Das wäre ja auch nicht komisch. Ich habe zum Beispiel in Erinnerung, dass du mich gerne und intensiv geküsst hast. Brauchst du das nicht manchmal? Küssen und im Arm gehalten werden?“

 

Erstens: Er ist derjenige, der Geld dafür bezahlt, mich treffen zu dürfen. Nicht umgekehrt. Ich muss kein Geld in die Hand nehmen, um Sex dafür zu bekommen. Meine Kunden bezahlen mich gerne dafür, um mich im Arm halten zu dürfen.

Zweitens: Wie kommt der eigentlich auf die Idee, dass ich niemanden dafür habe? Vielleicht bin ich vergeben oder habe zehn Männer an der Angel, die ich durchwechsle, wenn ich Lust dazu habe. Er muss sich da nicht als weißen Ritter aufspielen, der mir Geborgenheit gibt, wenn ich mal wieder gefühlslosen Sex mit einem ach so bösen Kunden hatte.

Drittens: Die 0815 Nummer mit ihm bekomme ich auch mit jedem anderen Kunden, der recht gut bestückt ist. Es war tatsächlich nichts Besonderes, woran ich mich noch lange zurück erinnert habe.

 

Ich habe ihm nur sehr knapp geantwortet, dass ich dafür wen habe und dann war auch Funkstille und er hat es nie wieder versucht. Schade eigentlich, dass man durch die Überschätzung einiger Männer eigentlich gute Kunden verliert, nur weil man seinen Job scheinbar zu gut gemacht hat.

Alle auf einmal

Meistens habe ich zwei Dates in der Woche. Für mehr habe ich keine Lust, Zeit oder es gibt einfach keine Anfragen. So auch letzte Woche. Das Postfach bleibt zwar nie leer, ich bekomme vielversprechende Anfragen, aber nach der ersten Mail bleibt die Antwort aus. Wahrscheinlich weil jemand schneller war als ich.

Die Woche war aber eh nicht wirklich verplant, weil ich meine Tage hatte. Das bedeutete dann erstmal ein paar Tage Auszeit, aber dann ging es direkt los. Und es war mal wieder eine dieser Wochen, wo alle Termine auf einen Tag fielen. Dieses Mal der Donnerstag. Ich wachte auf und checkte mein Handy. Ich war mit Oli verabredet, der nur 7min. von mir entfernt wohnte. Eigentlich wollten wir uns mittags treffen, aber ihm kam etwas dazwischen. Ob nachmittags auch passen würde. Klar. Ich war nur abends verabredet, um ins Kino zu gehen.

Als ich mich fertig machte und nur noch 15min. Zeit hatte, erreichte mich eine Nachricht von Felix. Er hat mein Profil aufmerksam gelesen und sich meine Bilder noch aufmerksamer angeguckt und hatte Lust. Er würde gerade in einem Hotel sitzen und Langeweile haben. Das Hotel kannte ich. Es lag in Richtung von Olis Wohnung. Wenn ich mich beeilen würde, könnte ich den noch reinquetschen. Wir telefonierten und machten was aus. Er wollte mir dann noch mal bei WhatsApp schreiben und entpuppte sich als ziemlich nervigen Schreiberling, der immer mehr Aufmerksamkeit wollte. Aber seine Bewertungen waren gut.

Ich schrieb ihm, dass ich jetzt verabredet sei und dass ich mich melden würde. Dann fuhr ich zu Oli, der in einer kleinen Wohnung auf einem Hinterhof wohnte. Er hatte einen ziemlich beeindruckenden Internetauftritt und bezeichnete sich selbst als erfolgreich. Da hätte ich irgendwie etwas Schickeres erwartet. Aber nun gut. Es war sauber, warm und er war höflich und nett. Und wahnsinnig unsicher und nervös. Er hat so was noch nie gemacht und will am liebsten direkt loslegen, nachdem er mir das Geld überreicht hat. Ich schnaufe und bin noch total aus der Puste. Durch den Wechsel von kalt zu warm, läuft mir der Schweiß den Rücken runter und ich würde mich gerne erst ein wenig akklimatisieren. „Bekomme ich etwas zu trinken?“, frage ich und sofort entschuldigt er sich. „Habe ich dich jetzt überrumpelt?“ „Ja, hast du.“ Ich nehme einen Schluck und er erzählt mir, dass ich nach seiner Ex-Freundin die erste Frau bin und er daher ein wenig ungezügelt ist. Oli ist etwas kleiner als ich, attraktiv und sehr gepflegt. Eigentlich bezahlt er nicht für Sex. Das hat er ja nicht nötig. Aber Oli will etwas anderes, was er bei seiner Exfreundin nicht bekommen hat und ist bereit, dafür Geld auszugeben. Er hat mir vorab eine lange Nachricht geschrieben, die wirklich nicht nach copy and paste klang und in der er mir seine Fantasie beschreibt. Nichts außergewöhnliches, aber tatsächlich etwas, was nicht viele Frauen beherrschen.

Es war ein gutes Date, er beteuerte immer wieder, dass er das keine Sekunde lang bereut hat und ich lief zufrieden zu meinem Fahrrad. Wieder eine Nachricht von Felix. Mir war kalt, weil ich meine Handschuhe vergessen hatte und schaute bei google maps, wie weit das noch wäre. 21 min. Puh … mit meinem Fahrrad bestimmt 30 Minuten. Das Essen mit meinen Mitbewohnern würde ich nicht wahrnehmen können. Wir schrieben ca. 15 min. lang und kamen am Ende zu dem Schluss, dass wir uns eventuell noch nach dem Kino treffen könnten. Falls er da noch nicht müde und noch geil ist (sie sind immer noch geil und nicht müde). Als ich ihm schreibe, entdecke ich eine andere Nachricht von Hans. Der ist nur noch heute in meiner Stadt und würde mich gerne treffen. Wenn es mir nicht passt, würde er sich nächstes Jahr noch mal melden. Ich sag ja, es kommt immer alles auf einmal. Ich schreibe, dass ich jetzt ins Kino gehe und danach eventuell noch Zeit habe. Die Sache mit Felix ist ja noch nicht sicher. Ich verbringe einen entspannten Abend und kehre irgendwann gegen 23 Uhr nach Hause.

 

Wie vorhergesagt ist Felix immer noch geil und will, dass ich ihn besuche. Wir beschließen, dass ich ein Taxi nehme. Weil er kein Bargeld mehr hat und ich aktuell kein PayPal, will er mir die Taxikosten im Voraus per Amazon Gutschein zukommen lassen. Aber Amazon bereitet sich auf den Black Friday vor und ist extrem überfordert. Der erste Gutschein kommt nicht. Ich sehe den Screenshot von der Bestellbestätigung, aber nach den angegebenen fünf Minuten ist nichts da. Der zweite kommt auch nicht und auch der dritte mit einer anderen Zahlungsart taucht nicht auf.

Inzwischen ist es 0 Uhr und mir ist die Lust vergangen. Ich habe mich noch mal geduscht und neu angezogen und bin bereit, aber nichts scheint zu klappen.

Als Notlösung schlage ich die App myTaxi vor. Da kann er seine Zahlungsdaten hinterlassen und mir ein Taxi direkt vor die Haustür bestellen. Das klappt und ich sehe wie das Taxi zwei Minuten später vor dem Haus hält. Ich steige ein und höre mir vom Taxifahrer Horrorgeschichten über betrunkene Jugendliche an und komme mit über einer Stunde Verspätung endlich am Hotel an. Felix bestätigt die Bezahlung an seinem Handy und ich steige aus. Ich war schon mal in diesem Hotel. Es ist sehr schick und edel, wird aber eher nur von älteren, gut betuchten Leuten gebucht. Ich telefoniere mit Felix als ich durch die Drehtür laufe und schiele rüber zur Rezeption. Sie ist nicht besetzt und unbemerkt husche ich durch die Lobby. Ich fahre mit dem Fahrstuhl nach oben, verliere den Empfang und stehe irgendwann vor seiner Tür, vor der er schon auf mich wartet.

Ich begrüße ihn. Er wirkt verschlafen und bietet mir etwas zu trinken an. Ich schaue mich im Zimmer um und bemerke den atemberaubenden Ausblick über die schöne Landschaft vom Balkon aus. Wir machen Smalltalk. So wie es sich gehört. Bei Oli wusste ich sofort, dass ich ihm gefalle. Bei Felix bin ich mir schon wieder nicht sicher. Er grinst nicht, lacht nicht über meine Witze und wirkt einfach nur müde. Hm …

Er überreicht mir mein Honorar und setzt sich auf das Bett. Er hatte einen Kleiderwunsch und jetzt soll ich ihm zeigen, ob ich den auch erfüllt habe. Strapse, ein Satinslip und Nylons. Auf Halterlose oder Strümpfe habe ich auf Grund von 2 Grad Außentemperatur verzichtet, aber das wusste er vorher schon. Ich ziehe mein Top aus und meinen Rock und lasse langsam die Strumpfhose über meine Beine gleiten. Ich habe eine schöne Korsage aus Spitze mit Strapsbändern an und wie gewünscht einen Slip aus Satin. Er scheint zufrieden zu sein, berührt mich und murmelt „du bist geil“. Den Satz höre ich noch öfters und als die Zeit um ist, bereut er sofort, dass er nicht doch noch zum EC-Automaten gegangen ist, damit ich jetzt noch länger bleiben kann. Aber es ist spät und ich bin müde. Er ruft mir ein Taxi und habe Angst, dass er einschläft bevor ich nach Hause komme und er die Zahlung nicht mehr bestätigen kann. Die freundliche Taxi-Fahrerin schickt die Anfrage ab, ich wähle vorsichtshalber seine Nummer, aber da ruft sie auch schon „hat geklappt! So muss es sein!“ Ich schicke ihm eine Nachricht, dass es geklappt hat und bedanke mich und er schickt mir 20 weitere Nachrichten, wie geil er das fand und dass er noch mal könnte und wie toll es wäre, wenn ich jetzt noch bei ihm wäre. Ich weiß, dass er regelmäßig Overnights macht und ich weiß, dass er meinen recht hohen Preis dafür kennt und vertröste ihn auf das nächste Mal. Er ist nämlich regelmäßig in der Nähe.

Die nächsten Tage ist es wieder ruhig. Sie kommen nämlich immer alle auf einmal. Oder gar nicht.

Ist das auch wirklich in Ordnung?

Es ist Freitagabend und ich bekomme eine lange Nachricht von Johannes. Er ist Mitte 40 und schreibt sehr wortgewandt. Wahrscheinlich ein Akademiker, der täglich viel Kundenkontakt hat und daher sehr auf seine Wortwahl achten muss. Ich passe mich seinem Schreibstil an und schreibe ähnlich gewählt zurück. Das imponiert ihm und will sofort ein Treffen mit mir machen. Ich soll ihn besuchen kommen, aber da er etwas außerhalb wohnt, war das auf Grund der Bussituation nicht mehr möglich. Er überlegt, wie ein Treffen doch noch zustande kommen könnte und ich schlage ihm vor, dass er doch einfach ein Hotel in meiner Stadt buchen soll. Mehr als Scherz und weil ich genervt war, da er wollte, dass ich mich eine Stunde lang in Bus und Bahn setze, damit ich zu ihm komme.

„Anna, das ist eine sehr gute Idee! Danke für diesen Vorschlag. Den werde ich in die Tat umsetzen!“ Ironie oder nicht? Ich war mir nicht sicher, bekam aber wenig später die Nachricht, dass er ein Hotel für den nächsten Tag gebucht hatte. Tja … damit hatte ich nun nicht gerechnet.

 

Mein Samstag war recht vollgestopft und ich jagte von einem Freizeittermin zum nächsten, kam aber abends recht früh nach Hause. Ich war eigentlich noch mit Freunden verabredet und wir wollten etwas trinken gehen, aber das beschränkte sich dann doch nur noch auf einen Kaffee am frühen Abend und so musste ich die Zeit bis zum Termin totschlagen. Wir hatten nämlich 23 Uhr ausgemacht, weil ich nicht so genau wusste, wann ich wieder da sein würde. Er hatte aus seinem Besuch dann einen Tagesausflug gemacht, machte Sightseeing und verbrachte die letzten Stunden bis zum Treffen dann in einer Kneipe.

Irgendwann war es dann so weit und ich fuhr mit dem Fahrrad zu dem Hotel. Es war Spätsommer und dementsprechend noch recht heiß. Ich trug nur ein Kleid ohne Jacke und als ich mein Fahrrad abschloss, konnte ich ihn bereits aus dem Augenwinkel heraus sehen. Er war groß und rauchte gerade. Raucher lehne ich eigentlich immer ab, wenn sie klassischen Girlfriendsex wollten, weil ich selber nicht rauche. Wir hatten heute aber was anderes geplant. Er wollte mich intensiv mit der Hand verwöhnen und zwar nur damit. Und mit Spielzeug. Daher war das Rauchen in Ordnung. Sofern er sich auch an die Absprache hielt und nicht mehr erwartete. Gebucht waren drei Stunden.

Er saß auf einer kleinen Mauer und stand auf, als er mich sah. Er war ziemlich groß und trug ein grelles T-Shirt. Ich weiß nicht, wie ich ihn beschreiben soll. Er war anders, als ich es erwartet habe. Er war eher der klassische Samstagnachmittagkneipenbesucher, der seinen Lieblingsverein anfeuerte, laut war und durch das viele Rauchen eine raue Stimme hatte. Vermischt mit einem Langzeitstudenten, der sich liebend gerne auf sämtliche Diskussionen einließ.

Er gab mir die Zimmerkarte, damit es nicht so auffällig war, aber das war eh egal, weil gerade noch ein paar Leute eincheckten und gar nicht bemerkten, dass wir durch die Tür huschten.

 

Wir kamen in seinem Zimmer an und er war auch sehr korrekt, hatte aber eine unglaublich nervige Art. Er hatte viele Jobs hinter sich, unter anderem auch als Türsteher in einem Nachtclub. Er kannte das Milieu und wusste, auf was die Frauen achteten. Er wollte unbedingt, dass ich mich total wohl fühle und ihm war das wichtig, dass ich das wirklich auch zu 100% freiwillig machte. Alle 5 min. stellte er die Frage, ob wirklich alles in Ordnung sei und ob er sich auch wirklich korrekt verhalten würde. Es nervte unendlich.

„Können wir uns kurz 10min. unterhalten, ohne dass du direkt auf die Uhr schaust?“ Ich nickte, schaue bei so einem Spruch aber ganz besonders genau auf die Uhr. Er redete keine 10min., sondern eine Stunde, bis ich ihn irgendwann unterbrach. „Das turnt mich hier gerade unglaublich ab“, sagte ich, weil er mir Tipps geben wollte. Wie ziehe ich mich möglichst lasziv aus; welche kleinen Gesten kann ich machen, damit der Kunde möglichst geil auf mich wird; wie stelle ich mich hin, damit man meine Problemzonen nicht sieht.
Ich bin wie eine Geisha, man! Es reicht ein Augenaufschlag und der Kunde will mich. Da brauche ich keine Tipps, wie ich meinen Arsch am wirkvollsten präsentiere oder wie ich meinen Bauchansatz verstecke. Er sah es ein und fing endlich an. Hielt seine Klappe und machte einfach. Wenn er doch wieder anfing zu reden, sah ich ihn böse an und er hörte damit auf.

Er wusste wirklich, was er da tat. Es war gut, es war intensiv, aber dann konnte ich nicht mehr, weil es zu intensiv wurde. Wir brachen ab, ohne dass einer von uns gekommen war. Ihn hatte ich nicht mal angefasst, weil er die Zeit sowieso schon gnadenlos überzogen hatte mit seiner großen Ansprache. Ich ging duschen, kam im Handtuch bekleidet zurück und im ernsten Tonfall sagte er dann: „Soll ich dir mal was sagen? Die nackte Wahrheit? Du bist kein einziges Mal gekommen.“

Tja, was soll ich dazu sagen? Er ist auch nicht mal in die Nähe davon gekommen, weil nicht jede Frau gleich funktioniert. Er hat mich nicht gefragt, wie er das schaffen könnte, sondern hat sich ganz allein auf seine Fähigkeiten konzentriert. Oft täusche ich dann vor, weil ich nicht will, dass der Kunde sich schlecht fühlt und auch oft, weil ich sehr schnell überreizt bin und will, dass er aufhört. Aber bei ihm konnte ich das nicht vortäuschen, das wäre nicht möglich gewesen. Außerdem sollte er merken, dass es nicht nur die eine Methode gibt. Und außerdem fand ich das auch gar nicht schlimm, weil es sich auch ohne Höhepunkt gut anfühlen kann. Und weil ein Orgasmus bei mir meistens dafür sorgt, dass jegliche Lust sofort verpufft und ich sofort nach Hause will, weswegen ich mir das entweder für ganz bis zum Schluss aufspare oder eben gar nicht komme. Besser als sich nach 10min. noch länger quälen zu müssen.

 

Ich schaute auf die Uhr und merkte, dass wir schon 45min. drüber waren. Er schaute ebenfalls auf die Uhr und auf seinen harten Schwanz, der heute nicht mehr von einer Frau berührt werden würde. „Das ist meine Schuld. Du hast mir ja sogar schon Zeit geschenkt. Also ist das nicht schlimm.“ Wäre ja noch schöner, wenn er sich jetzt darüber aufgeregt hätte. Er wollte wieder labern, aber ich zog mich an und gähnte ausgiebig. War ja auch schon spät. Er begleitete mich noch nach draußen, wollte mir noch mehr Tipps geben und dann verabschiedeten wir uns endlich. Was für ein anstrengender Kunde!

Es war nett

Es geht natürlich auch anders als im letzten Post geschrieben. Der nächste Kunde ließ nicht lange auf sich warten. Er schrieb mir, wir wollten telefonieren, aber ich hatte gerade keine ruhige Minute. Außerdem dachte ich, dass ich am vereinbarten Termin meine Tage bekommen würde, weswegen ich es dann doch nicht mehr so eilig hatte. Sie kamen nicht, wir telefonierten und waren uns sofort sympathisch. Den eigentlichen Termin verschoben wir einfach auf ein paar Stunden nach hinten und er nannte mir seinen Kleiderwunsch: „Business. Sexy, elegant.“

Bis hierhin war er ein Kunde wie aus dem Bilderbuch. Er las mein Profil, beantwortete die Fragen, die ich darin stellte. Versuchte nicht zu handeln, akzeptierte meine Bedingungen und rief mich nur an, wenn ich vorher das okay dazu gab.

 

Ich warf mich in Nylons, schöne Spitzenunterwäsche, in einen engen Rock und steckte meine weiße Bluse rein.

Anschließend sprang ich auf mein Fahrrad und fuhr zu dem 5min. entfernten Hotel, was ich ihm vorgeschlagen hatte, weil es in meiner Nähe lag. Ich schob mein Rad gerade am Hotel vorbei, weil ich einen Abstellplatz suchte, da konnte ich einen Mann, der hoffentlich mein Kunde war, direkt davor sitzen sehen. Er beobachtete mich noch nicht, war noch mit seinem Handy beschäftigt, weswegen ich um die Ecke mein Fahrrad abstellte und dann möglichst geräuschvoll wieder in seine Richtung lief. Ich stand vor ihm und weil wir genau 18 Uhr hatten und er der einzige Mann weit und breit war, lächelte ich ihm zu.

„Hi!“

„Hi! Bist du Anna?“

„Ja, genau“

Er strahlte und man sah ihm an, dass ihm gefiel, was er sah.

Wir liefen in das Hotel und an der Rezeption saß wahrscheinlich ein Student, der sich sein Studium mit Nachtschichten finanzierte. Unsicher begrüßte er uns und dachte sich bestimmt seinen Teil.

 

Jörg nahm mir die Jacke ab und betrachtete ausführlich, was ich da anhatte. „Du bist wirklich hübsch. Sehr hübsch“, sagte er. Er war wirklich sehr nervös und zitterte. Wir klärten das Finanzielle, bevor er mich noch einmal lange umarmte. „Gefällt mir wirklich sehr. Genau wie auf deinen Bildern.“ Ich lasse meine Bilder auch immer unbearbeitet und lasse keine von professionellen Fotografen machen. Ich weiß, dass einfache Spiegelselfies, zumindest bei den Kunden, die ich haben will, besser ankommen als die ausgeleuchteten Hochglanzbilder, die in Hotelbetten entstanden sind. Wer Profi-Fotos sieht, erwartet einen Profi. Bin ich nicht. Will ich auch nicht sein.

 

Jörg war wirklich attraktiv. Er war Anfang 50, aber im Gegensatz zu Klaus, meinem letzten Kunden, wirkte er noch recht jugendlich. Vielleicht hatte Klaus aber auch nur gelogen und war in Wirklichkeit viel älter.

Es folgten zaghafte Küsse, bis wir uns aufs Bett legten und ca. 30min. sehr intensiven und guten Sex bzw. andere Spielarten hatten.

Jörg war begeistert. „Sowas habe ich zum ersten Mal erlebt“, sagte er immer wieder. Wir plauderten bis die Stunde vorbei war. Er erzählte mir von seinem Job, seiner Tochter, sein Exfrau und davon, dass er mein Profil schon seit Monaten immer wieder besucht hatte, aber sich bisher nicht traute, mich anzuschreiben. „Ich dachte, ich wäre viel zu alt für dich!“

Es war nett. Er war nett. Und plante schon das nächste Treffen.

 

Zufrieden fuhr ich wieder nach Hause und hatte wenige Tage später eine Nachricht von ihm im Postfach, in der er sich noch einmal bedankte und schrieb, dass er sich auf das nächste Mal freute.

Wann ist es endlich vorbei?

In letzter Zeit habe ich ziemlich viel Glück mit meinen Kunden. Sie sind sympathisch, freundlich, höflich und sexuell sehr befriedigend. Die Zeit vergeht meist wie im Flug und ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal auf meine Uhr gestarrt habe und dachte „Scheiße, erst 15min. rum. Wie bekomme ich die 45min. denn noch um?“

Oft habe ich das bei anderen Escorts gelesen, die das Date einfach über sich ergehen lassen und nur daran denken, was sie alles mit dem Geld kaufen könnten, aber bei mir war das nie so und ich konnte das auch nie nachvollziehen.

Tja, bis gestern.

 

Es fing ganz gut an. Klaus hat mich höflich angeschrieben, mir direkt alle erforderlichen Details (wann, wo, was?) genannt und wir haben recht schnell ein Treffen ausgemacht. Ich fuhr zum Hotel, fand den Eingang nicht, schlüpfte mit einer Reisegruppe durch den Hintereingang und fand sogar auf Anhieb den Aufzug. Ich dachte mir noch „da ersparst du dir sogar den peinlichen Auftritt an der Rezeption“ und fuhr nach oben. Als ich an der vereinbarten Zimmertür klopfte und Klaus sie öffnete, stellte ich als erstes fest, dass sein Foto bestimmt 10 Jahre alt war. Er sah wirklich komplett anders aus. Und so mürrisch. Er betrachtete mich kritisch, kein Lächeln huschte über sein Gesicht und ich dachte, dass er mich gleich wieder nach Hause schicken würde. Ich machte Witze, scherzte und er hängte meine Jacke auf. „Bist du nervös?“, fragte er mich. „Nee, aber du guckst so kritisch“, sagte ich, was mich tatsächlich nervös machte. „Was? Ich? Nein! Ich bin begeistert! Du gefällst mir wirklich unglaublich gut.“ Na dann. Sein Gesicht sah immer noch böse aus. Wir klärten das Finanzielle, redeten nicht viel und er wollte mich ausgiebig betrachten und ausziehen. Wir legten uns aufs Bett, er streichelte und küsste mich. So weit, so gut. Ich bin es eigentlich nicht gewohnt, dass der Kunde nicht noch mindestens 10min. mit mir reden möchte. Manche brauchen das ja, um warm zu werden.

 

Klaus brauchte das nicht. Klaus brauchte Aufmerksamkeit und zwar in seiner Körpermitte. Viel Aufmerksamkeit von meinem Mund vor allem. Und da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass das wirklich ein Job ist und der anstrengend sein kann. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich hier eine Dienstleistung erbringen muss, damit der kritische Mann mit mir zufrieden ist. Und das war er. „Du bläst wie eine junge Göttin“, „du bläst weltklasse“ und „das machst du wirklich mit Leidenschaft!“ kamen im Minutentakt aus seinem Mund. Und während ich gerade daran dachte, welches Ben and Jerrys ich mir danach gönnen soll und ob ich nicht noch einen Abstecher bei meinem Lieblingsasiaten mache, sagte er: „Man merkt richtig, dass dir das Spaß macht und dass du mit voller Hingabe dabei bist!“ So kann man sich täuschen. Ich bin wahrscheinlich einfach nur besser, als die anderen Escorts, die er zuvor so unendlich gelangweilt hat.

Nach einer Stunde war er endlich fertig, kam und bedankte sich artig. Schnell sprang ich unter die Dusche, zog mich an und der kritische Mann fragte mich, ob ich denn wirklich Studentin sei. Viele sagen das ja einfach nur so. Nachdem ich ihm lang und breit von all meinen Modulen erzählt habe, schien er wohl zu glauben, dass ich das tatsächlich bin und bedankte sich noch einmal und ich hoffte, ihn nicht noch mal zu sehen. Das hat nämlich keinen Spaß gemacht.

Kommt er noch?

Ich sitze am Samstagabend in schönen Dessous und einem schwarzen Kleid auf meinem Bett. Nervös checke ich immer wieder meine Nachrichten und erhalte keine Antwort. Eigentlich war ich mit Dirk verabredet. Wir wollten gemeinsam ein Pornokino besuchen. Er wollte sich melden, wenn er mit seinen Terminen fertig war und mich dann abholen kommen. Um 20 Uhr. Jetzt war es 19.45 Uhr. Ich habe den ganzen Tag damit verbracht gar nichts zu tun. Habe auf den Abend gewartet und dann meldet er sich nicht mehr. Ich hole mein Essen aus dem Ofen und beginne überhaupt nicht hungrig das Gemüse und Hähnchen in mich rein zu würgen.

Endlich klingelt mein Handy. „Ich verspäte mich um 30 Minuten, sorry.“ Plötzlich schmeckt das Hähnchen wieder und ich gönne mir noch ein paar Löffel Vla.

 

In letzter Zeit ist es nicht oft vorgekommen, dass so genannte „Fake-Dater“ einen Termin mit mir ausgemacht haben. Tatsächlich hatte ich vielleicht 5 oder 6 davon. Einmal, als ich extra in eine andere Stadt gefahren bin und dann am Bahnhof auf ihn gewartet habe. Ohne Anzahlung. Ohne vorheriges Telefonat. Da war ich noch Anfängerin und entweder hatte er Spaß daran, Frauen zu verarschen oder jemand stand auf der anderen Seite und hat zugeguckt, wie ich dort warte. Oder jemand hat mich gesehen und ist direkt wieder umgedreht. Eine Handynummer hatte ich zwar. Aber das Handy war aus.

Beim nächsten Mal war ich schlauer. Das Treffen sollte in meiner Stadt stattfinden. Ich hatte nur 10min. Fußweg und lief los. Es kam keiner. Weder 5min. später, noch 15min. später. Die Nachrichten wurden gelesen und Monate später versuchte der Mann erneut, mich zu treffen. Natürlich ließ ich mich nicht darauf ein.

Das nächste Mal verlief ähnlich. Mit 20min. Fußweg allerdings. Es war schon fast dunkel und ich stand da. Er schrieb währenddessen, dass er sich verspäten wird. Ich stand immer noch da, entdeckte einen Mann, auf den die Beschreibung passen könnte, er sah mich und lief zielstrebig vorbei. 10min. später erhielt ich die Nachricht, dass er es nicht rechtzeitig aus dem Termin geschafft hätte und wir das lieber lassen sollten. Monate später bekomme ich mit, dass er genau das gleiche mit anderen Frauen abzieht. Er guckt sie an und geht dann weiter. Tolles Hobby!

Beim darauf folgenden Mal war ich noch schlauer. Das Treffen fand bei mir in der Straße statt. Ich nannte ihm einen Ort, an dem wir uns treffen wollten. Ich war etwas zu spät und konnte gerade noch einen Mann sehen, der am Treffpunkt stand, aber schlagartig das Weite suchte. Er hatte mich noch nicht gesehen, sich es aber ganz plötzlich anders überlegt, als er die zwei Minuten zum überlegen hatte. Ich rief ihn an und er drückte mich weg.

Danach kam es noch ein paar Mal vor, dass ich mich abholen lassen wollte. Ich war bereit, aber keiner kam. Wenigstens hatte ich dafür nicht das Haus verlassen.

 

Und dann gibt es da natürlich die Männer, die es sich in letzter Sekunde anders überlegen. Da ich keine Gesichtsbilder verschicke, kann das vorkommen und ich bin dann niemandem böse, wenn es doch mal passieren sollte. Zumindest, wenn er das nett verpackt und mir unaufgefordert eine kleine Aufwandsentschädigung gibt.

Einmal bin ich zu einem Hotel gefahren. Ich war vorher arbeiten und er rief mich an, als ich noch im Bus saß. „Na…wird das doch nichts mehr?“ Sein „na“ klang schon recht unsympathisch. Aber davor wirkte er nett. Ich kam etwas verspätet an und sehe einen Mann im langen Mantel an der Ecke stehen. Er war vielleicht Mitte 30, aber seine Haare auf dem Kopf wurden immer weniger. Um das zu kaschieren, hat er sich extrem viel Gel reingeklatscht und sie stachelig nach oben gestyled. Er macht den Mund auf. Zum Vorschein kam eine Reihe gelber, kaputter Zähne. Seine Klamotten dagegen wirkten teuer. Er guckte mich von oben nach unten an und sagte dann „nein. Das wird nichts“ und wirft dann noch einen abschätzigen Blick hinterher und verschwindet. Einfach so.

Da kommt man sich schon ziemlich blöd vor.

Bei einem anderen Mal bin ich extra in eine andere Stadt gefahren. Er hat mich an der Haltestelle abgeholt und wir wollten die 10min. Fußweg zu ihm nutzen, um uns zu unterhalten. Das Gespräch verlief stockend. Ich fragte, er antwortete, stellte aber keine Gegenfrage. Ich merkte, dass das nicht gut lief und er es sich vielleicht anders überlegt hat. Und tatsächlich. „Sorry. Ich habe gerade ein total schlechtes Gefühl. Ich glaube, ich kann das meiner Frau doch nicht antun. Ich kann sie nicht betrügen.“ Kein Problem. Kann ich nachvollziehen. Trotzdem hätte ich gerne meine Fahrtkosten erstattet bekommen + Aufwandsentschädigung. Er diskutiert. So viel gibt er mir nicht. Ich mache ihm eine Szene. Leute gucken. Wir treffen uns in der Mitte und ich fahre wieder.

Das war das letzte Mal, dass ich bei Hausbesuchen nicht direkt zu ihm gefahren bin. Denn wenn ich erstmal da bin, kann er es sich nicht so leicht wieder anders überlegen.

 

Mein aktueller Kunde ist inzwischen angekommen und wartet an der vereinbarten Stelle. Ich schaue aus dem Fenster und kann ihn sehen. Er steigt gerade aus dem Auto. Schnell ziehe ich mir meine Schuhe an, schnappe mir Mantel und Tasche und verlasse unauffällig das Haus. Ich laufe auf ihn zu und er erkennt mich von weitem, obwohl er gar kein Bild von mir bekommen hat. Zumindest keins mit Gesicht. Meinen Körper kannte er. Er schüttelt mir die Hand, stellt sich vor. Ich sage ihm meinen Allerweltsnamen. „Und alles okay bei dir?“ fragt er mich. Oder übersetzt: „Und willst du wirklich heute mit mir Sex haben? Sehe ich dir nicht zu alt aus?“ „Alles gut. Und bei dir?“ „Auch!“ Und dann fahren wir los. Dirk ist offen und erzählt mir sofort, was er in der Stadt macht. Wir haben bereits einige Telefonate hinter uns und ich weiß, dass ich die dritte Escort bin, die er in seinem Leben gebucht hat. Aber die erste, die er ganz alleine für sich hat. Sonst ist seine Frau immer dabei. Heute nicht, aber sie weiß es und es macht sie geil. Und es macht mich irgendwie geil, dass sie es weiß und er ihr später alles ganz genau erzählen wird.

Wir brauchen ungefähr eine halbe Stunde und nie gehen Dirk die Themen aus. Als wir das große Logo des Pornokinos sehen und den dazu gehörigen vollen Parkplatz, bin ich schon ein wenig nervös. Wir haben die Fahrt gar nicht dazu genutzt, um zu besprechen, was wir da drin machen wollten. Das würde ich dann wohl einfach auf mich zukommen lassen müssen.

Wir gehen rein und Paare haben freien Eintritt. Ich laufe vor und sofort richten sich alle Augen auf mich. Wenig später finde ich auch heraus, wieso. Neben mir gibt es zwei weitere Frauen. Die andere war sogar etwas jünger als ich, die andere gut 20 Jahre älter. Ich trage ein schwarzes, enges Kleid und falle damit wahrscheinlich ziemlich auf.

 

Wir schließen unsere Sachen weg, schauen uns um und ziehen eine Schar Männer hinter uns her. Ich mag Pornokinobesuche. Sie können das Selbstwertgefühl ziemlich steigern. Egal wie schlecht man an dem Tag aussieht, alle Männer wollen dich trotzdem vögeln, weil man jung und weiblich ist. Dirk lässt mich kurz alleine, um Geld zu holen. Ein schmieriger Kerl setzt sich zu mich. „Ist das dein Mann?“ Ich antworte mit „nein“ und bitte ihn wieder zu gehen. Wir drehen noch mal eine Runde, alle Männer stehen auf und kommen mit. Ich gucke mir sie genauer an und verwerfe den Plan, heute einen Mitspieler dazu kommen zu lassen. Ein oder zwei waren ganz passabel, aber nicht so attraktiv, als dass ich die gute Stimmung zwischen uns dafür zerstören würde. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich genau ihn aus der Schar von 20 Männern herauspicken könnte, ohne dass noch ein anderer dazwischen rutscht.

Wir finden dann einen Raum, der uns gefällt und schließen die Tür ab. „Oder willst du, dass sie offen bleibt?“, fragt er mich, aber ich schüttle nur den Kopf. Und verriegle sie vorsichtshalber auch noch ab. In den folgenden 60 Minuten versuchen die Männer ca. 10 mal die Tür zu öffnen, klopfen dagegen und bleiben ungeduldig davor stehen, in der Hoffnung doch noch reinkommen zu dürfen. Aber sie dürfen nicht. Wir lachen. Das ist gemein, aber der Raum ist winzig und ich hatte keine Lust mich vom Geruch dreckiger Schwänze ablenken zu lassen. Außerdem hatte Dirk mich bezahlt und nicht die anderen. Er hatte mir zwar im Vorfeld gesagt, dass es ihn anmachen würde, wenn wir auch mal die Partner tauschen und ich mich auch gerne mit anderen Männern vergnügen könnte, aber es waren ja auch keine anderen Frauen für ihn da. Ich gönnte ihm das Gefühl, dass er heute der einzige hier war, der mich berühren durfte.

 

Wir hatten Sex. Es war gut. Ich war laut und als wir nach einer Stunde kichernd den Raum verließen, standen die Männer sprachlos davor. „Darf man mal mitmachen?“, fragte einer. Nein, darf man nicht. Es war heiß und wir tranken noch etwas an der Bar. Wieder versammelten sich alle Männer um uns herum, hofften, dass sie gleich zumindest zusehen dürften.

Aber nein. Die gebuchte Zeit war langsam um und es war spät.

Wir verabschieden uns und Dirk fragt, ob er sich noch mal bei mir melden darf. Natürlich. Dirk war nett und es hat Spaß gemacht.