Das haben wir nicht besprochen

Ich bekomme eine Nachricht von Johannes. Johannes ist Ende 20 und hat sich auf meine Anzeige gemeldet. Ich stelle ihm all die üblichen Fragen, um abzuwägen, ob ich mich mit ihm treffen möchte oder nicht. „Wo bist du besuchbar? Was möchtest du gerne machen? Wie lange soll ein Date gehen?“ Er will mich abholen und dann zu ihm fahren. Was? Das übliche. Nichts wildes. Wie lange? Mal gucken. Er hat den ganzen Abend Zeit. Je nachdem, wie lange wir halt Bock haben. Ich sehe ein lukratives Date dahinter, am Telefon klingt er nett, also wieso nicht.

Ich habe davor noch ein Treffen mit einem Stammkunden, der mich behandelt wie eine Königin, weil ich aussehe wie seine erste Freundin. Nach Treffen mit ihm komme ich immer sehr beschwingt zurück nach Hause, weil er mich mit Komplimenten überhäuft und ich wirklich das Gefühl habe, dass er jede einzelne Sekunde mit mir genießt und sehr sehnsüchtig darauf hinfiebert.

Als ich in mein Zimmer komme, habe ich eigentlich keine Lust mehr mich mit Johannes zu treffen. Ich will Eis essen und meine Lieblingsserie gucken. Den Tag ganz entspannt ausklingen lassen. Aber die große Kohle winkt und ich müsste für den Rest der Woche keine anderen Dates mehr annehmen, also raffe ich mich auf. Geh mich noch einmal duschen, ziehe mich um und warte, dass er mich abholt.

 

Er sagt Bescheid, dass er jetzt da ist. Ich steige in sein Auto ein, das er ganz neu hat. Er fragt mich, seit wann ich die Anzeige online habe.

„Seit ein paar Wochen, weil ich gerade Semesterferien habe.“

„Ah, und da war dir also langweilig und du dachtest, dass du dir mal ein paar Männer zum Spaß haben, suchst. Verstehe.“

Nicht ganz. Ich war eher zu faul, um mir einen 20 oder 40 Stunden-Job für die Semesterferien zu suchen. Das hier geht schneller. Aber das will kein Kunde wissen.

Er fragt, ob ich das öfters mache und ich antworte, dass er nicht der Erste ist. Ich frage ihn im Gegenzug, ob er das oft macht und er verrät, dass er sich hin und wieder Frauen dort aussucht. Ich frage ihn, was er beruflich macht, denn er ist noch recht jung und ich frage mich, wie er sich das leisten kann.

Tatsächlich studiert er noch und macht gerade ein duales Studium, nachdem er mit einer Ausbildung bei der Firma angefangen hat. Verdient man jetzt so viel mit einem dualen Studium, dass man im Monat mehrere hundert Euro für Sex ausgeben kann? Ich werde stutzig.

Wir kommen an und laufen zu seiner Wohnung.

„Ich bin erstaunt, wie gut du aussiehst“, gesteht er und ich wundere mich.

„Wieso?“

„Weil die meisten Frauen, die so eine Anzeige schreiben, nicht so gut aussehen.“

Ich wundere mich noch mehr. Die meisten Frauen in meinem Alter sehen mindestens so gut aus wie ich. Die meisten sogar besser. Aber er scheint zufrieden zu sein und will nach meiner Hand greifen, damit jeder seiner Nachbarn sehen kann, dass ich zu ihm gehöre.

Da dachte ich mir schon, dass es ziemlich traurig ist, dass er jetzt damit angeben will, dass er ein Escort gebucht hat. Eigentlich versucht man da ja eher so diskret wie möglich zu sein.

 

In seiner Wohnung angekommen, setzen wir uns auf das Sofa. Ich schaue mich um und alles wirkt sehr sauber und modern. Die Wohnung ist auf jeden Fall sehr schön. Er reicht mir ein Glas Wasser und kaum als ich einen Schluck getrunken habe, will er es mir wieder aus der Hand nehmen und zieht mich zu sich nach oben. Er will mich küssen, aber ich blocke ab.

„Ich regel vorher immer gerne das Finanzielle“

Er wird rot und guckt mich schockiert an.

„Wie viel bekommst du?“

Ich nenne ihm den Preis.

„Das haben wir nicht besprochen.“

Ich bin sprachlos. Haben wir nicht? Es steht in meiner Anzeige, dass ich finanzielles Interesse habe. Natürlich haben wir das.

„Doch. Sicher.“

„Nein.“

„Doch. Auf jeden Fall.

„Nein, wirklich nicht.“

Er beharrt auf seinem nein und ich frage mich, ob das hier eine Masche sein soll. Ängstlich gucke ich mich um. Ist da noch jemand, der mich gleich überfallen wird? Hat er das alles geplant? Ich sehe, dass er anfängt zu zittern. Er denkt wahrscheinlich gerade an all die Filme, die im Rotlichtmileau spielen und in denen die Freier dann von Zuhältern verprügelt werden, wenn sie nicht zahlen. Ich sehe ein, dass er wirklich davon ausgegangen ist, dass ich ihn kostenlos bespaße und werde sauer.

„Dachtest du echt, dass ich mich umsonst mit dir treffe?“

Er wird knallrot. Ich habe Angst, dass sein Kopf gleich zerplatzt.

„Ja …“

Ich gucke mir den Typen vor mir an. Er ist nicht hässlich. Aber auch nicht attraktiv. Nicht so attraktiv, dass er Frauen in Clubs oder Bars abschleppen könnte. Nicht mal, wenn sie sehr betrunken sind. Er ist mehr der Typ Nerd mit schlecht sitzenden Klamotten, die es mit ihrem Verstand sicherlich irgendwann mal zu etwas bringen werden, aber nicht mit ihrem Charme oder ihrer Attraktivität.

„Ist das jetzt dein Ernst?!“ Ich kann immer noch nicht glauben, dass er wirklich gedacht hat, dass ich mich einfach so mit ihm treffe. Dass Leute wirklich denken können, dass ich eine Anzeige im Internet schalte, um mich mit wildfremden Männern zu treffen.

„Ja. Wir haben nicht von Geld gesprochen…“

„Ja, aber selbst wenn es so wäre, hätte dir doch spätestens bei meinen Fragen klar sein müssen, was ich anbiete. Welche Frau fragt denn, was du gerne hättest und wie lang ein Treffen dauern soll?“

„Ich dachte, dass du das halt so machst…“

„Und welche Frau sucht überhaupt per Anzeige nach Sex?“

„Da gibt es einige…“

„Und wie alt waren die?“

„Die waren alle deutlich älter als du …“

„Ja, siehst du!“

„Soll ich dich jetzt wieder nach Hause fahren?“

„Das wäre wohl besser“

„Okay. Aber es steht trotzdem nicht in deiner Anzeige“

Ich krame mein Handy hervor und zeige ihm, dass die Anzeige unter „mit finanziellem Interesse“ veröffentlicht wurde und er da in Zukunft doch besser drauf achten solle, bevor er wieder zwei Stunden Zeit von jemandem klaut.

Er knickt ein und entschuldigt sich für seine Naivität.

 

Wir fahren zurück und noch im Auto ändere ich meine Anzeige und schreibe direkt an den Anfang, dass ich natürlich Geld dafür verlange. Alle Männer, die mich nach ihm angeschrieben haben, frage ich direkt, ob sie das gesehen haben und fast jeder antwortet mit: „Aber natürlich. Ich bin doch nicht so blöd und glaube ernsthaft, dass jemand wie du sich kostenlos irgendwo anbietet. Da muss man ja wirklich ganz schön bescheuert sein.“

Nun ja.

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Natürlich hat es mir gefallen

„Hier? Sind wir hier richtig?“, fragt der Taxifahrer mich und ich gucke mich um. Keine Ahnung, ob wir hier richtig sind. Ich war hier noch nie, aber wenn das Navi sagt, dass wir da sind, dann muss das wohl richtig sein.

„Ja, ist richtig. Wie viel macht das?“, frage ich und er nennt mir den Preis. Ich gebe ein großzügiges Trinkgeld, weil ich das immer mache und steige aus. Verloren bleibe ich auf dem Gehweg stehen und krame mein anderes Handy heraus, um nach der Adresse zu suchen.

Heute hat mich Rainer gebucht. Rainer ist ein 58-jähriger Mann und damit eigentlich etwas zu alt für meinen Geschmack, aber er will nur harmlose Sachen machen und hat mir so viel geboten, dass ich auf einen Schlag meinen Urlaub im Sommer damit bezahlen kann. In meiner Tasche befinden sich neben dem üblichen Kram wie Gleitgel und Kondome auch noch eine zweite Strumpfhose und ein frischer Slip, denn er hat angekündigt, dass er die Getragenen gerne im Anschluss kaufen möchte, wenn wir fertig sind.

Ich suche nach der Adresse, tippe sie in mein Navi auf dem Handy ein und folge der Erklärung. Rainer wollte nämlich, dass ich ein paar Meter früher aussteige, damit die Nachbarn nicht sehen, dass vor seinem Haus ein Taxi hält. Verheiratet und so.

 

Hausbesuche bei Verheirateten finde ich immer schwierig. Wenn es eine Wohnung mitten in der Stadt ist, dann ist es in den meisten Fällen eine Zweitwohnung und die Frau sitzt mehrere hundert Kilometer entfernt. Aber ein Haus? Wer hat ein Zweithaus so weit draußen? Einmal wurde ich mit dem Kunden von der Tochter überrascht, ein anderes Mal hat der Kunde nach 15 Min. panisch abgebrochen (immerhin nachdem er gekommen ist), weil er Angst hatte, dass seine Frau früher als erwartet nach Hause kommt. Mir kann das ja egal sein, ob wir erwischt werden oder nicht, trotzdem möchte ich solchen Situationen lieber aus dem Weg gehen.

 

Ich finde das Haus und sehe, dass die Eingangstür angelehnt ist. Das haben wir so vereinbart. Ich darf zwar auch klingeln, muss es aber nicht, um nicht zu lange draußen in der Kälte zu stehen. Oder mit anderen Worten: Um nicht zu lange vor dem Haus zu verweilen und die Nachbarn weniger Zeit haben, um mich davor stehen zu sehen. Ich drücke die Tür auf, stehe in dem Eingangsbereich und laufe durch die nächste Tür und dann steht Rainer dort angelehnt im Türrahmen. Wie vereinbart.

„Hallo, schön dass du da bist“, sagt er und betrachtet mich eingehend. „Du siehst schön aus. Sehr schön.“

Er überreicht mir als erstes mein Honorar und führt mich ins Wohnzimmer. Fragt, ob ich etwas trinken will. Ich nehme ein Wasser und er fragt, ob es nicht auch etwas Alkoholisches sein darf. Aber ich verneine. Ich trinke keinen Alkohol im Januar und möchte hier einen klaren Kopf bewahren. Irgendwie traue ich ihm nicht so recht.

„Hmm…und was kiffen? Willst du was kiffen?“, fragt er mich dann und ich schaue ihn verwundert an. Nein, auch das nicht.

Wir setzen uns ins Wohnzimmer und er setzt sich nicht auf das Sofa neben mich, sondern auf einen Sessel 2m von mir entfernt und starrt mich einfach nur an. Er sagt nicht mal etwas, sondern guckt einfach nur. Es kommt mir alles nach wie vor sehr merkwürdig vor. Er wirkt irgendwie sehr langsam. Ich frage ihn, warum er so weit von mir wegsitzt.

„Wir haben doch Zeit. Ich will dich gerne angucken und mich mit dir unterhalten.“

Aber er unterhält sich nicht. Er guckt mich einfach nur an. Dann fängt er an belanglose Sachen zu erzählen. Ich erfahre, dass seine Frau krank ist und nun in der Kur. Seit Wochen. Deshalb ist er alleine und wünscht sich Gesellschaft von einer Frau. „Deswegen bist du da“, sagt er immer wieder. Er erzählt mir, was er beruflich macht bzw. was er beruflich gemacht hat und dass er sich hin und wieder mit einem Freund trifft, um Drogen zu nehmen und fragt, ob ich das auch tun würde. Nein.

Er hat wohl auf „ja“ gehofft. Dachte, dass er heute dieses „Koks und Nutten“-Ding bekommt. Aber ich bin nur das nette Mädchen von nebenan, das sich höchstens hin und wieder mit Gin abschießt.

 

Wir verlassen das Wohnzimmer und gehen in sein Zimmer. Hier stehen ein Sofa, ein Schreibtisch und ein Regal voller Bücher und CDs. Das Ehebett ist bei den meisten Tabu. So viel Anstand haben sie dann doch. Manchmal ist das auch eine Vorgabe der Frau, die weiß, dass sich der Mann Sex woanders holt, wenn sie nicht mehr will aber dann doch bitte nicht in dem Bett, wo sie schlafen muss.

Er dreht die Musik lauter und jetzt sitzen wir nebeneinander. Er will über meine Beine streicheln, die in einer Strumpfhose stecken. Das ist sein Fetisch. Frauenbeine in Strumpfhose.

„Merkst du, wie die Männer dir auf der Straße hinterher gucken?“, fragt er mich und ich verneine.

„Aber das tun sie. Natürlich gucken sie dich an. Ich würde dir auch hinterher gucken. Vor allem, wenn du so eine Strumpfhose trägst.“

Er will einfach nur dasitzen, mich umarmen und mich streicheln. Mehr nicht. Ich blicke immer wieder auf die Uhr. Drei Stunden hat er mich gebucht und das könnte echt lang werden. Immerhin ist schon eine drauf gegangen, als wir einfach nur im Wohnzimmer saßen.

Er wirft seinen Kopf zurück und schließt die Augen, als er über meine Beine streichelt.

„Das ist so schön. Das ist so wunderschön“, murmelt er und schweigt dann wieder. Sein Unterkiefer bewegt sich als ob er mit den Zähnen knirschen würde. Ich habe den Film „Requem for a dream“ gesehen. Der Drogenfilm mit Jared Leto, in dem auch seine Filmmutter abhängig wird, was er daran erkennt, dass sie ununterbrochen mit den Zähnen knirscht. Er macht das auch.

 

Irgendwann will er, dass ich mich ausziehe, aber nur die Strumpfhose anlasse. Seine Wünsche sind einfach. Das kann ich. Er streichelt wieder über meine Beine, schließt die Augen und murmelt „das ist so geil.“

Ich fange an, ihn ebenfalls zu berühren. Hoffe, dass ich das alles abkürzen kann, wenn er erstmal kommt. Manche buchen drei Stunden, sind aber schon nach einer fertig und merken dann, dass das doch alles ein Fehler war. Das Geld darf man natürlich behalten. Man hat ja alles richtig gemacht.

Aber es tut sich nichts.

„Ich bin wirklich richtig geil. Aber ich habe vor ein paar Stunden was eingeworfen und das verhindert manchmal, dass man einen hoch bekommt. Aber das liegt nicht an dir. Du bist geil. Und eigentlich müsste die Wirkung jeden Moment nachlassen.“

Das erklärt das Zähneknirschen. Die Wirkung scheint nicht nachzulassen und es passiert nichts. Außer, dass er mich weiterhin streichelt. Denn ohne Steifen hält kein Gummi und ohne Gummi passiert nichts. Das ist ihm bewusst und er fragt auch gar nicht, ob da irgendetwas möglich wäre.

Er fängt an, mich über meine Fantasien auszufragen, will wissen, wie viel Sex ich habe und ob es immer unterschiedliche Männer sind. Fragen, die man als Frau gestellt bekommt, wenn man sich irgendwann mal in einen Sex-Chat verläuft. Ich antworte darauf, weil ich kein Problem damit habe, dass er das von mir weiß.

Irgendwann neigt sich die Zeit dem Ende zu, nachdem weiterhin nichts passiert ist.

„Ich finde es wunderschön mit dir, auch wenn du das vielleicht nicht merkst. Aber ich genieße das sehr“, beteuert er immer wieder und fragt, ob ich noch länger bleiben will. Bezahlt natürlich. Aber ich möchte nicht. Ich möchte auch nicht, dass er mich nach Hause fährt, weil ich nicht weiß, wie zurechnungsfähig er noch ist.

„Lässt du mir wenigstens deine Strumpfhose und deinen Slip hier? Natürlich gegen Bezahlung.“ Ich stimme zu, weil ich irgendwie Mitleid mit ihm habe. Er wirkt so einsam und so traurig. Außerdem wusste ich das vorher bereits und habe deshalb nicht meine besten Sachen angezogen. Für das Geld konnte ich die 10mal neu kaufen.

Ich ziehe mich wieder an und er guckt mir zu. Er steht drauf, wenn sich Frauen Strumpfhosen anziehen.

 

Anschließend steht er auf und öffnet einen Bilderordner auf seinem Computer. Er zeigt mir die Bilder von Frauen, die er schön findet und mal im Internet gefunden hat. Öffentliche Bilder, die man auf Facebook und Instagram findet. Mädchengruppen in knappen Partyoutfits, in Bikinis usw. Es sollte einem wirklich bewusst sein, dass jedes Bild, was man im Internet hochlädt, vielleicht auch mal in so einen „Wichsbild“-Ordner landen könnte. Mir fällt auf, dass die Bilder alle mit Gesicht sind.

„Ja, ich nehme nur die mit Gesicht“, antwortet er. Er sagt, dass er auch Bilder von mir hat, auf denen ich leicht bekleidet bin. Aber das kann gar nicht stimmen. Solche Bilder existieren nicht von mir. Nicht mal auf meinem Handy. Wenn ich Fotos nur in Unterwäsche mache, dann verdecke ich immer mein Gesicht. Zu groß ist die Angst, dass sich irgendwann mal jemand auf mein Handy einhacken könnte und die Bilder irgendwo hochlädt.

Ich packe zusammen, er fragt, ob ich wirklich nicht noch länger bleiben möchte und lockt mit Geld. Aber ich bin müde und möchte dem armen Mann nicht noch mehr Geld aus der Tasche locken. Auch wenn das bei ihm sicherlich nicht Mangelware ist.

Das Taxi ist da, er beteuert noch einmal, wie schön er es fand und hofft, dass es für mich nicht allzu schlimm gewesen sein.

„Ach quatsch. Es hat mir auch gefallen“, lüge ich und lächle dabei. Keiner will hören, dass seine Gesellschaft eine Qual gewesen ist. Außerdem war er nett und höflich. Wenn jemand die Grenzen überschreitet, dann sage ich ihm das gerne ins Gesicht, damit er Bescheid weiß, dass er sich daneben benommen hat.

Aber das hier ist nur ein einsamer Mann, der sein hart verdientes Geld dafür ausgibt, für ein paar Stunden Gesellschaft von einer jungen Frau in Strumpfhose zu bekommen.

Jan, warum machst du das?

Ich habe da diesen einen Kunden. Nennen wir ihn Jan. Jan ist Ende 30, 1,85m groß, sportlich, athletisch, mit ebenen Gesichtszügen und einem recht stattlichen Schwanz gesegnet. Mit einem Wort: Attraktiv. Sogar sehr attraktiv. Zumindest wenn er die richtigen Klamotten tragen würde. Aber Jan ist ein kleiner Nerd. Zieht seine Jeans viel zu weit nach oben, trägt viel zu schlabberige Pullover und langweilige Outdoor-Jacken. Er sieht nackt besser aus als angezogen. Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall.

 

Jan ist immer mal wieder in meiner Gegend und seine Firma bucht für ihn und seine Kollegen immer die günstigsten Hotels. Für meine Zwecke daher eher ungünstig. Nicht, weil ich nur in Hotels ab 4 Sterne gehe, nein, auch wenn sie eher für eine Zusage meinerseits sorgen, sondern weil die Hotels häufig schlecht isoliert sind, die Betten quietschen und furchtbar hellhörig sind. Wenn Kollegen nebenan sind, werden die natürlich sofort wissen, wenn der verheiratete Kollege eine Frau auf dem Zimmer hat.

Beim ersten Mal war Jan das egal. Er hat mich trotzdem gebucht. Er war begeistert. Ich war begeistert. Und wir wollten das auf jeden Fall wiederholen. Aber beim nächsten Mal war das Hotel einfach zu ungünstig. Weit außerhalb und sehr hellhörig. Auf dem Land muss man seine Hotelgäste schließlich nicht vor Straßenlärm schützen. Da er links und rechts einen Kollegen hatte, wollte er es nicht riskieren. Und Outdoor mag ich nicht. Wobei ich mich mit Jan wahrscheinlich darauf eingelassen hätte.

 

Aber dann war er wieder da. Ich saß gerade mit Harry Potter Pyjama und fettigen Haaren auf dem Sofa meiner Eltern, um das Dschungelcamp zu gucken, da erreichte mich seine Nachricht. „Hi, wie geht’s?“

Das waren schon damals seine ersten Worte an mich. Eigentlich reagiere ich nicht auf solche plumpen Versuche, aber ihm hatte ich aus irgendeinem Grund geantwortet und es nicht bereut. „Gut und dir?“ „Auch gut“ Und Stille. Und jetzt? „Wieso schreibst du mir?“ Ich bin nie um direkte Worte verlegen und meine Freunde müssen mir deswegen regelmäßig den Mund zuhalten.

„Ich bin nächste Woche in deiner Gegend und wollte mal fragen, ob du Montag oder Dienstag Zeit und Lust hast, mich zu treffen?“ Meine Rückfahrt war noch nicht gebucht, aber es war langsam mal Zeit und ein Treffen mit Jan war auch ein ziemlich guter Grund, um es jetzt zu tun. Also stimmte ich zu.

 

Der Zug war für Montag gebucht und mit Jan wollte ich mich am Dienstag treffen. Dieses Mal war er auch zentraler untergebracht und da ich die Gegend kannte, wusste ich, dass es keine jugendherberge-ähnliches Hotel war.

Als ich wieder in meiner WG war, schrieb ich ihm, um zu fragen, ob das Hotel für unser Vorhaben geeignet war und erhielt keine Antwort. Erst Stunden später, weil er in Anwesenheit seiner Kollegen nicht auf sein Handy schauen wollte. „Willst du nicht zufällig jetzt schon vorbei kommen?“ Ich überlegte. Für morgen Abend hatte sich noch ein anderer Stammkunde angekündigt, der mir ein lukrativeres Treffen in Aussicht gestellt hatte. Aber der war noch nicht sicher. Falls er aber tatsächlich in der Stadt sein sollte, würden sich beide Termine komplett überschneiden und ich müsste mich für einen entscheiden. Ich konnte unmöglich beide wahrnehmen.

„Doch. Würde ich gerne“, antwortete ich daher.

„Wann kannst du hier sein?“ „Taxi braucht 20 min.“ Er sprang unter die Dusche. Ich sprang unter die Dusche und anschließend in ein Taxi.

 

Als ich ankam, lungerte er vor dem Hotel herum. „Kannst du lautlos die Treppe hochschleichen? Es ist schon wieder sehr hellhörig da drin.“ Wir schlichen uns also durch das große, alte Haus und bei jedem falschen Schritt knarzte der 100 Jahre alte Parkettboden. Die Türen wurden mit normalen Zimmerschlüsseln geöffnet, wie man sie von Zuhause kannte und seine Kollegen waren jeweils im Zimmer über und unter ihm. Da es aber bereits 1 Uhr war, sollten die inzwischen schlafen.

 

„Hat sich was an deinem Honorar geändert?“, will er von mir wissen, als er sein Portemonnaie rauskramt. Ich überlege und glaube, dass ich tatsächlich mehr verlange seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben und er darauf anspielt. Schließlich weiß ich, dass er mein Profil regelmäßig besucht, um sich von meinen Bilder inspirieren zu lassen. Das hat er vor wenigen Tagen noch selbst zugegeben. Ich nenne ihm den Preis, den er anstandslos bezahlt. Unangenehme Kunden würden in diesem Augenblick darauf beharren, dass sie aber letztes Mal weniger bezahlt haben und die Stimmung wäre kaputt. Aber Jan ist nicht unangenehm.

Er fängt an, sich auszuziehen und wieder denke ich mir, dass er dringend eine Style-Beratung braucht. Seine Sachen passen hinten und vorne nicht.

Er fängt an mich zu streicheln, mich zu küssen und dann wird es heiß. Er kommt. Ich komme. Er kommt nicht. Ich komme und am Ende kommt er doch noch. Trotzdem blieb das alles eher zurückhaltend. Die Kollegen …

Und während ich auf dem Rücken liegen und er sich an mich schmiegt, als ob ich die erste Frau seit 5 Jahren wäre, die er berühren darf, frage ich mich: Jan, wieso machst du das?

 

Es gibt viele Kunden, bei denen ich mir vorstellen kann, dass sie auf einem anderen Weg keine Frau kennen lernen. Oder Kunden, die seit Jahren in einer Ehe gefangen sind und nur noch darauf warten, dass die Kinder das Haus verlassen und dann ebenfalls gehen. Aber Jan ist ziemlich glücklich verheiratet und seinen Erzählungen nach haben sie auch noch sehr regelmäßig Sex, erlauben sich aber gegenseitig andere zu treffen. Ich kenne einige Paare bei denen das so ist. Und wenn man das offen kommuniziert und attraktiv ist, dann ist das meistens auch kein Problem eine andere Person dafür zu finden ohne dafür zu bezahlen. Ich kannte mal einen, der eine Vereinbarung mit seiner Frau hatte: Wenn er auf Geschäftsreise ist, darf er sich mit anderen Frauen treffen. Denn dann ist er eh nicht zu Hause und die Zeit, die er dafür aufwendet, geht nicht von der Zeit ab, die er mit seiner Familie verbringen könnte.

Er hatte in den Orten, in denen er regelmäßig war „Freundinnen“, die von der Vereinbarung wussten und sich mit ihm getroffen haben. Ohne Bezahlung. Jan könnte das auch. Aber Jan will mich, was mich natürlich sehr schmeichelt. Viele denken sich immer „die lässt sich für Geld ficken!“, aber ich sehe es eher anders: Männer wollen mich so sehr, dass sie sogar Geld dafür bezahlen würden, um mich zu treffen.

 

Jan fragt, ob ich nicht über Nacht bleiben will zum kuscheln. Er sollte mein Honorar dafür kennen. Das liegt im vierstelligen Bereich, aber ich denke, dass er darauf hofft, dass ich es umsonst mache. Ist ja nur kuscheln. Damit wird Jan zu einem weniger angenehmen Kunden und ich rufe mir ein Taxi, bevor er noch anhänglicher wird.

Er schleicht sich mit mir nach draußen, bedankt sich und hofft, dass wir uns bald wiedersehen.

Pure Zeitverschwendung

Ich sitze am Schreibtisch und arbeite, bis ich bemerke, dass ich unruhig werde und für heute noch gerne ein Date hätte. Also gehe ich online, um interessierten Kunden zu signalisieren, dass ich heute noch verfügbar bin. Die erste Nachricht trudelt ein. Nur ein „hi, wie geht’s?“ Ich antworte höflich, frage ihn aber schon bald, wie ihm denn weiterhelfen kann. „Ich hätte gerne Anal Sex.“ Schön für dich. Biete ich nicht an. „Schade. Ich find dich echt heiß.“ Danke. Ich schreibe ihm, dass er sich doch bitte noch einmal meinen Profiltext genauer durchlesen soll und er sich dann noch einmal melden kann. Ist nicht passiert. War wahrscheinlich zu anstrengend.

 

Ich arbeite weiter und weil ich mich nicht konzentrieren kann, schaue ich mir die Männer an, die mein Profil besucht haben. Einer bleibt mir in Erinnerung, denn sein Profil klingt so, als ob ihn meins ansprechen würde. Es ist gut und seriös geschrieben. Keine Rechtschreibfehler, nur hin und wieder ein Flüchtigkeitsfehler. Mir fällt auf, dass ich die erste Besucherin bin, weil das Profil erst seit heute aktiv ist. Ich warte ab, dass er mir schreibt und habe 10 Minuten später tatsächlich eine Nachricht von ihm.
Er bedauert, dass ich ihn nicht so interessant finde, wie er mich, weil ich ja auf seinem Profil war und ihm nicht geschrieben habe. Er bedauert auch, dass ich nur noch dieses Wochenende in der Gegend bin, weil er derzeit weder ein Auto hat, noch zu Hause Besuch empfangen kann. Ich schlage ihm ein Hotel vor und er macht mir spontan das Angebot, dass er mir in der Nähe ein Hotel bucht und im Voraus für die Fahrtkosten und Spesen aufkommen wird. Ich frage nach seinem genauen Angebot und er schickt es mir. Erklärt mir darin, was er gerne machen möchte und wie lang. Es klingt gut. Es klingt lohnenswert. Das Hotel ist nicht so weit von mir entfernt und die Summe, die er mir zahlt, ist auf jeden Fall hoch genug, um mich davon zu überzeugen, dass ich da heute noch hinfahre und dort auch übernachte, weil er sich erst nachts aus dem Haus schleichen kann und bis 2 oder 3 Uhr bleiben will. Ich schaue nach, wie ich am besten dorthin komme, lasse meine Arbeit liegen und bin erstaunt über seine wohl überlegten Worte in den Nachrichten. Er klingt wirklich seriös und so als ob er das schon öfters gemacht hat. Er denkt an alles und will gleichzeitig nur das nötigste wissen.

Wir machen aus, dass ich das Hotel bezahle, sobald ich den Amazon Gutschein erhalten habe. Das ist die gängige Währung, wenn es um Vorauszahlungen geht. PayPal darf für sexuelle Dienstleistungen nicht benutzt werden, eine Überweisung kommt nicht mehr an. Also verlässt man sich auf Amazon, weil das Guthaben im Normalfall auch innerhalb weniger Minuten da ist (es gab schon ein paar nervige Ausnahmen).

Da wurde ich dann zum zweiten Mal stutzig, weil ich erst letztens von einem Fall gehört habe, wo das Guthaben nachträglich wieder storniert wurde, weil das Konto nicht gedeckt war. Was ist also, wenn ich hinfahre, alles von meinem Geld bezahle und am Ende gar keiner kommt? Ich hätte immer noch Plus gemacht und etwas Zeit vergeudet, aber sonst wäre das nicht weiter schlimm. Außer das Guthaben würde halt nachträglich noch storniert werden und das wäre dann ziemlich schlimm.

Ich schreibe ihm, dass ich noch gerne telefonieren möchte, einfach um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Wer mir seine Nummer gibt und am Telefon sympathisch klingt, ist in den meisten Fällen eigentlich kein Fake (Ausnahmen gibt es natürlich). Ich lasse meine Nummer da und dann … ja dann passiert gar nichts. Als nach 15 Minuten immer noch kein Anruf kommt, forsche ich mal nach. Sein Online-Status hat sich verändert und er wird als offline angezeigt. Ich denke mir, dass er vielleicht aus dem Büro raus ist und sich gleich melden wird. In der Zwischenzeit beantworte ich eine andere Nachricht und als ich ihm dann schreiben will, wann er denn anrufen möchte, ploppt ein Fenster auf, das mir verkündet, dass das Profil gesperrt wurde. Na toll. Der Ort wurde in einen 300km entfernten Ort geändert. Wahrscheinlich ein Doppelprofil, was sofort aufgeflogen ist.

 

Und wieder mal frage ich mich: Wozu das Ganze? Was hat man davon, wenn man ein Escort verarscht? Zumal keine schmutzigen Details geklärt worden sind, an denen er sich aufgeilen könnte. Einfach nur pure Zeitverschwendung.

Spaß haben oder Kino – deine Entscheidung

Ich hätte da diesen Kunden gehabt. Er hat mir eine rechtzeitige Anfrage geschickt und in der ersten Mail alle wichtigen Informationen genannt. Das kommt leider wirklich selten vor, obwohl das ja echt nicht so schwer ist. Dieser Kunde schickte mir 2 Tage vor dem Date eine Absage, weil er familiäre Probleme und damit keinen freien Kopf hatte.

Kein Problem. 2 Tage im Voraus sind in Ordnung und ich war ihm deswegen auch nicht böse, weswegen ich das in eine nette Mail verpackte: „Kein Problem. Danke für deine rechtzeitige Absage. Meld dich einfach, wenn du mal wieder in der Stadt sein solltest.“

Alles total unverbindlich, nur eine Erinnerung daran, dass ich mich immer noch mit ihm treffen würde. Andere Frauen reagieren auf Absagen total empfindlich und sperren jeden sofort, der es wagt ihren Termin wieder abzusagen. Aber mir kommt auch mal etwas dazwischen, daher kann ich das nachvollziehen.

Statt mir zu schreiben, dass er das gerne tun würde, schreibt er, dass das aber sehr schwierig sei, weil er nur sehr selten in meiner Gegend ist. Ich antworte mit „wie schade“. Einfach nur so. Weil ich nett sein will.

„Ja, wirklich sehr schade. Ich bin sexuell auch total aufgeladen, aber ich könnte das, was wir geplant haben, nicht in die Tat umsetzen. Dafür ist mein Kopf zu voll und bei dieser intensiven Spielart darf das nicht sein. Ich werde einfach stumpf auf den Weihnachtsmarkt gehen und danach stumpf im Pornokino meinen Frust ablassen.“

Aha. Okay. War dann auch meine Reaktion. Wieso erzählte er mir das auch?

„Sie sind wahrscheinlich nicht daran interessiert mich zu begleiten, nehme ich an?“ Wieso siezte er mich plötzlich? Ich verneinte und wies ihn darauf hin, dass es in dieser Stadt sowieso nur ein sehr schäbiges Pornokino geben würde, wo keiner freiwillig reingehen will.

„Verstehe. Sie sollten das auch nicht tun. Sie sind sicherlich besseres gewohnt und haben das auch verdient.“ Okay. So weit so gut.

 

Nachdem er mir also rechtzeitig abgesagt hat, konnte ich einen anderen Termin wahrnehmen. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sein eigenes Unternehmen irgendwann verkauft hatte und jetzt nur noch als Berater tätig war. Sehr kommunikativ, sehr zuverlässig, sehr seriös. Wir telefonierten und machten alles fest und nachdem ich die Uhrzeit bestätigt habe, meldet sich der erste wieder. Er will mich doch treffen, weil er sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen möchte.

Ich stimme zu, denn zu der eigentlich ausgemachten Zeit, hätte ich beide Termine locker wahrnehmen können. Aber nein. Er möchte es gerne auf eine Stunde nach hinten verlegen, weil er noch „shoppen“ gehen will. Das passt mir aber nicht mehr und ich sage ihm ab.

Er versucht mich noch zu überreden und letzten Endes erzähle ich ihm, dass ich noch ins Kino gehe. Da fragt man nicht nach, denn da steht die Startzeit fest und ich weiß, dass ich potentielle Kunden verlieren könnte, wenn sie wissen, dass ich mehrere Termine am Tag wahrnehme. Schließlich wollen sie ja denken, dass sie die einzigen sind und ich lasse sie gerne in diesem Glauben.

Wenige Minuten später habe ich diese Nachricht im Postfach:

„Kino oder Geld verdienen und dabei auch noch Spaß haben. Aber das muss ja jeder selbst wissen.“

Sprachlos schaute ich auf den Monitor. Das war in so vielerlei Hinsicht dreist. Nicht nur, dass es ganz allein seine Schuld gewesen ist, dass das Date nicht zu Stande kommt und er mir jetzt Vorwürfe dafür machen will, weil ich mir eine andere Option gesucht habe. Nein, jetzt erlaubt er sich auch noch mir sagen zu wollen, dass ein Treffen mit ihm viel lohnenswerter sei, als ins Kino zu gehen.

Meine Antwort nahm ihm aber jeglichen Wind aus den Segeln:

„Tja. Im Gegensatz zu dir, sage ich meine Verabredungen nicht so leichtfertig ab und auf die xx Euro bin ich auch nicht so sehr angewiesen, als dass ich eine Freundin ohne Begleitung einfach stehen lasse.“

Seine Antwort bestand lediglich aus einem Wort: „Autsch“

Und dann fing er an, mich wieder zu siezen, aber ich hatte einen Termin.

 

Der neue Kunde war wie schon in den Mails zuvorkommend, höflich und zuverlässig. Wie abgesprochen wartete er vor dem Hotel, um das Taxi zu bezahlen mit dem ich kam. Er redete viel. Viel über sich selbst. Aber das war in Ordnung. Er sprach von vielen Wiederholungen, von einem Overnight beim nächsten Mal. Aber das glaube ich erst, wenn ich die Anfrage dafür bekommen habe. Sonst nehme ich das nämlich nicht ernst und bis jetzt kam auch noch nichts. Wie erwartet.

Wir können uns doch auch so treffen

Es ist Dienstagabend im nicht so tiefen Winter. Es ist aber schon sehr kalt und sehr dunkel, als ich mich auf den Weg zu Johannes mache.

Johannes ist 26 und beschreibt sich selbst als recht attraktiv. Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Treffen überhaupt wahrnehmen soll. Was bewegt einen jungen und recht attraktiven Mann dazu, mich zu buchen? Er klingt am Telefon recht schüchtern und wahrscheinlich fällt es ihm schwer, Frauen in der Bar anzusprechen und mit nach Hause zu nehmen. Aber zu Zeiten von tinder und online Dating könnte er diesen Schritt ja auch einfach überspringen. Ich überlege mir jedes mögliche Szenario, wieso er mich zu sich nach Hause locken könnte und schließe am Ende alles aus. Es gibt keinen Grund mich zu verarschen. Außerdem habe ich seinen vollen Namen, seine Handynummer und seine Adresse. Er weiß, dass ich Vorsichtsmaßnahmen treffe und er am Ende sowieso auffliegen wird. Einen geplanten Mord schließe ich daher auch aus.

Also beschließe ich mit reichlich Verspätung, dass ich es wage und steige in die Bahn vor meiner Tür, die mich direkt bis vor seine Tür bringen soll. Naja, nicht ganz genau davor. Ein Stück muss ich schon laufen und komme mir in dieser doch sehr dörflichen Gegend schon ein wenig komisch vor. Wieso sollte ein junger Kerl ohne Familie dort wohnen?

Ich drehe mich um und erkenne ein sehr großes Unternehmen, was in meiner Stadt ansässig ist. Viele, wirklich viele Menschen arbeiten dort, vor allem junge Leute, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und nun eine Trainee Stellung haben. Es wirkt also alles sehr schlüssig. Wahrscheinlich hat mir Johannes die Wahrheit erzählt. Nämlich, dass er erst vor kurzem hergezogen ist und bis auf seine Kollegen niemanden kennt. Er ist einsam und sehnt sich nach weiblicher Gesellschaft. Sein gut bezahlter Job erlaubt es ihm, ein Escort zu sich nach Hause zu bestellen. Das ist auch viel bequemer als umständlich jemanden in der Bar oder online kennen zu lernen und erst Wochen mit daten und schreiben zu verschwenden, wenn er einfach nur schnellen Sex will.

 

Ich stehe nun vor der Unterkunft. Es ist ein altes Wohnhaus, was vor kurzem umgebaut wurde und nun ein paar Airbnb Appartements beherbergt. Ich muss durch ein Tor gehen und stehe dann im Hinterhof. Ich stehe vor einer Terrassentür, an der ich klopfe und sofort öffnet Johannes mir. Tatsächlich steht ein junger, recht attraktiver Mann vor mir. Er wirkt sehr gepflegt und seriös und vor allem sehr nervös und schüchtern. Er hat nicht gelogen und er ist mir sofort sympathisch. Ich komme rein und ziehe meinen Mantel aus. Er hilft mir und ich umarme ihn erstmal, damit wir warm miteinander werden. Ich möchte zunächst das finanzielle klären und mit zitternden Händen holt er das Geld aus seinem ledernen Portemonnaie. Ich schaue mich in dem kleinen Gästezimmer um, das recht unmodern eingerichtet ist.

„Der Vermieter hat es renoviert und vermietet es für mehrere Monate an eine Person. Meine Arbeitsstelle ist direkt in der Nähe und am Wochenende bin ich eh nicht hier. Daher reicht das, bis ich was anderes finde“, erklärt er mir, als er meinen verwunderten Blick sieht. Es sieht eher aus wie ein kleines Zimmer eines Landhotels als ein Appartement für junge Berufsanfänger.

Er ist noch immer nervös und ich versuche ihm diese zu nehmen. Ich berühre ihn, umarme ihn und fange an ihn zu küssen. Er wird ruhiger und fängt an mich auszuziehen. Es gibt nur ein schmales Einzelbett, auf das er mich drückt. Er zieht sich ebenfalls auf. Er ist gut trainiert, hat ein sichtbares Sixpack und ist wirklich gut bestückt. Dazu höflich und nett. Wenn auch recht hektisch. Ich ziehe ihm ein Gummi über, er will, dass ich ihn reite, aber da mir die Stellung keinen Spaß bringt, hat er auch nichts davon und ich biete ihm an, mich von hinten zu nehmen.

Er packt mich an der Hüfte, drückt mir seinen Schwanz rein und fängt sofort an, mich ziemlich hart zu stoßen. Andere Frauen hätten vor Schmerzen aufgeschrien. Ich stehe da zum Glück ziemlich drauf und schnell verwandelt sich der anfängliche Schmerz in etwas ziemlich Gutes, was mich nicht nur sehr nass werden lässt, sondern auch noch ziemlich laut.

 

Er wird schneller und härter und ich muss irgendwann eine kurze Pause einlegen, weil er sehr ausdauernd ist und langsam die Schmerzen überwiegen. Wir wechseln die Position, aber das scheint ihn nicht halb so sehr anzumachen wie die letzte, also tauschen wir wieder. Ich halte mich am Bett fest, er steht hinter mir und dieses Mal geht es besser. Ich feuere ihn an, er kommt und ist völlig außer Atem.

„Das war ziemlich gut“, sagt er und ich bestätige es. Das war tatsächlich ziemlich nach meinem Geschmack und sehr einfach.

Die Zeit ist um und wir ziehen uns wieder an. Er will nicht kuscheln oder ähnliches. Für ihn hat das gereicht.

Wir verabschieden uns und ich sage ihm, dass er sich melden darf, wenn er das wiederholen will. Standardsatz.

Ich fahre wieder nach Hause und höre lange Zeit nichts von ihm. Als ich zu Besuch bei einer Freundin bin, bekomme ich über mein Zweithandy plötzlich eine Nachricht. Es ist Johannes. Er schreibt:

„Hey, kannst du dich noch an mich erinnern? Du hast mich mal besuchen. Wir hatten viel Spaß, ich glaube du bist auch auf deine Kosten gekommen. Hast du Lust demnächst mal zu mir zu kommen? Ich wohne jetzt viel zentraler. Ich könnte mir auch ein normales Sexdate vorstellen. Nur unsere Leidenschat, ohne dass Geld zwischen uns steht.“

Puh. Ich habe gedacht, dass er nach einer Wiederholung fragt, stattdessen will er mich für dumm verkaufen und nach kostenlosem Sex fragen. Das kommt ziemlich häufig vor. Männer, vor allem junge und attraktive Männer, sind so von sich überzeugt, dass sie denken, dass alle Frauen ihnen hinterher rennen würden und sich darum reißen, mit ihnen schlafen zu dürfen. Dass es vor allem das Geld ist, was sie zum Zug kommen lässt, bedenken sie irgendwie nicht.

Ich antworte mit: „Nee, auf Treffen ohne Geld lasse ich mich nicht ein.“

Nur wenige Minuten später erhalte ich die Antwort: „Schade, gibt es da keine Chance? Du brauchst doch auch mal jemanden, der dich will ohne Geld. Ich bin doch auch attraktiv und in deinem Alter. Das wäre ja auch nicht komisch. Ich habe zum Beispiel in Erinnerung, dass du mich gerne und intensiv geküsst hast. Brauchst du das nicht manchmal? Küssen und im Arm gehalten werden?“

 

Erstens: Er ist derjenige, der Geld dafür bezahlt, mich treffen zu dürfen. Nicht umgekehrt. Ich muss kein Geld in die Hand nehmen, um Sex dafür zu bekommen. Meine Kunden bezahlen mich gerne dafür, um mich im Arm halten zu dürfen.

Zweitens: Wie kommt der eigentlich auf die Idee, dass ich niemanden dafür habe? Vielleicht bin ich vergeben oder habe zehn Männer an der Angel, die ich durchwechsle, wenn ich Lust dazu habe. Er muss sich da nicht als weißen Ritter aufspielen, der mir Geborgenheit gibt, wenn ich mal wieder gefühlslosen Sex mit einem ach so bösen Kunden hatte.

Drittens: Die 0815 Nummer mit ihm bekomme ich auch mit jedem anderen Kunden, der recht gut bestückt ist. Es war tatsächlich nichts Besonderes, woran ich mich noch lange zurück erinnert habe.

 

Ich habe ihm nur sehr knapp geantwortet, dass ich dafür wen habe und dann war auch Funkstille und er hat es nie wieder versucht. Schade eigentlich, dass man durch die Überschätzung einiger Männer eigentlich gute Kunden verliert, nur weil man seinen Job scheinbar zu gut gemacht hat.

Alle auf einmal

Meistens habe ich zwei Dates in der Woche. Für mehr habe ich keine Lust, Zeit oder es gibt einfach keine Anfragen. So auch letzte Woche. Das Postfach bleibt zwar nie leer, ich bekomme vielversprechende Anfragen, aber nach der ersten Mail bleibt die Antwort aus. Wahrscheinlich weil jemand schneller war als ich.

Die Woche war aber eh nicht wirklich verplant, weil ich meine Tage hatte. Das bedeutete dann erstmal ein paar Tage Auszeit, aber dann ging es direkt los. Und es war mal wieder eine dieser Wochen, wo alle Termine auf einen Tag fielen. Dieses Mal der Donnerstag. Ich wachte auf und checkte mein Handy. Ich war mit Oli verabredet, der nur 7min. von mir entfernt wohnte. Eigentlich wollten wir uns mittags treffen, aber ihm kam etwas dazwischen. Ob nachmittags auch passen würde. Klar. Ich war nur abends verabredet, um ins Kino zu gehen.

Als ich mich fertig machte und nur noch 15min. Zeit hatte, erreichte mich eine Nachricht von Felix. Er hat mein Profil aufmerksam gelesen und sich meine Bilder noch aufmerksamer angeguckt und hatte Lust. Er würde gerade in einem Hotel sitzen und Langeweile haben. Das Hotel kannte ich. Es lag in Richtung von Olis Wohnung. Wenn ich mich beeilen würde, könnte ich den noch reinquetschen. Wir telefonierten und machten was aus. Er wollte mir dann noch mal bei WhatsApp schreiben und entpuppte sich als ziemlich nervigen Schreiberling, der immer mehr Aufmerksamkeit wollte. Aber seine Bewertungen waren gut.

Ich schrieb ihm, dass ich jetzt verabredet sei und dass ich mich melden würde. Dann fuhr ich zu Oli, der in einer kleinen Wohnung auf einem Hinterhof wohnte. Er hatte einen ziemlich beeindruckenden Internetauftritt und bezeichnete sich selbst als erfolgreich. Da hätte ich irgendwie etwas Schickeres erwartet. Aber nun gut. Es war sauber, warm und er war höflich und nett. Und wahnsinnig unsicher und nervös. Er hat so was noch nie gemacht und will am liebsten direkt loslegen, nachdem er mir das Geld überreicht hat. Ich schnaufe und bin noch total aus der Puste. Durch den Wechsel von kalt zu warm, läuft mir der Schweiß den Rücken runter und ich würde mich gerne erst ein wenig akklimatisieren. „Bekomme ich etwas zu trinken?“, frage ich und sofort entschuldigt er sich. „Habe ich dich jetzt überrumpelt?“ „Ja, hast du.“ Ich nehme einen Schluck und er erzählt mir, dass ich nach seiner Ex-Freundin die erste Frau bin und er daher ein wenig ungezügelt ist. Oli ist etwas kleiner als ich, attraktiv und sehr gepflegt. Eigentlich bezahlt er nicht für Sex. Das hat er ja nicht nötig. Aber Oli will etwas anderes, was er bei seiner Exfreundin nicht bekommen hat und ist bereit, dafür Geld auszugeben. Er hat mir vorab eine lange Nachricht geschrieben, die wirklich nicht nach copy and paste klang und in der er mir seine Fantasie beschreibt. Nichts außergewöhnliches, aber tatsächlich etwas, was nicht viele Frauen beherrschen.

Es war ein gutes Date, er beteuerte immer wieder, dass er das keine Sekunde lang bereut hat und ich lief zufrieden zu meinem Fahrrad. Wieder eine Nachricht von Felix. Mir war kalt, weil ich meine Handschuhe vergessen hatte und schaute bei google maps, wie weit das noch wäre. 21 min. Puh … mit meinem Fahrrad bestimmt 30 Minuten. Das Essen mit meinen Mitbewohnern würde ich nicht wahrnehmen können. Wir schrieben ca. 15 min. lang und kamen am Ende zu dem Schluss, dass wir uns eventuell noch nach dem Kino treffen könnten. Falls er da noch nicht müde und noch geil ist (sie sind immer noch geil und nicht müde). Als ich ihm schreibe, entdecke ich eine andere Nachricht von Hans. Der ist nur noch heute in meiner Stadt und würde mich gerne treffen. Wenn es mir nicht passt, würde er sich nächstes Jahr noch mal melden. Ich sag ja, es kommt immer alles auf einmal. Ich schreibe, dass ich jetzt ins Kino gehe und danach eventuell noch Zeit habe. Die Sache mit Felix ist ja noch nicht sicher. Ich verbringe einen entspannten Abend und kehre irgendwann gegen 23 Uhr nach Hause.

 

Wie vorhergesagt ist Felix immer noch geil und will, dass ich ihn besuche. Wir beschließen, dass ich ein Taxi nehme. Weil er kein Bargeld mehr hat und ich aktuell kein PayPal, will er mir die Taxikosten im Voraus per Amazon Gutschein zukommen lassen. Aber Amazon bereitet sich auf den Black Friday vor und ist extrem überfordert. Der erste Gutschein kommt nicht. Ich sehe den Screenshot von der Bestellbestätigung, aber nach den angegebenen fünf Minuten ist nichts da. Der zweite kommt auch nicht und auch der dritte mit einer anderen Zahlungsart taucht nicht auf.

Inzwischen ist es 0 Uhr und mir ist die Lust vergangen. Ich habe mich noch mal geduscht und neu angezogen und bin bereit, aber nichts scheint zu klappen.

Als Notlösung schlage ich die App myTaxi vor. Da kann er seine Zahlungsdaten hinterlassen und mir ein Taxi direkt vor die Haustür bestellen. Das klappt und ich sehe wie das Taxi zwei Minuten später vor dem Haus hält. Ich steige ein und höre mir vom Taxifahrer Horrorgeschichten über betrunkene Jugendliche an und komme mit über einer Stunde Verspätung endlich am Hotel an. Felix bestätigt die Bezahlung an seinem Handy und ich steige aus. Ich war schon mal in diesem Hotel. Es ist sehr schick und edel, wird aber eher nur von älteren, gut betuchten Leuten gebucht. Ich telefoniere mit Felix als ich durch die Drehtür laufe und schiele rüber zur Rezeption. Sie ist nicht besetzt und unbemerkt husche ich durch die Lobby. Ich fahre mit dem Fahrstuhl nach oben, verliere den Empfang und stehe irgendwann vor seiner Tür, vor der er schon auf mich wartet.

Ich begrüße ihn. Er wirkt verschlafen und bietet mir etwas zu trinken an. Ich schaue mich im Zimmer um und bemerke den atemberaubenden Ausblick über die schöne Landschaft vom Balkon aus. Wir machen Smalltalk. So wie es sich gehört. Bei Oli wusste ich sofort, dass ich ihm gefalle. Bei Felix bin ich mir schon wieder nicht sicher. Er grinst nicht, lacht nicht über meine Witze und wirkt einfach nur müde. Hm …

Er überreicht mir mein Honorar und setzt sich auf das Bett. Er hatte einen Kleiderwunsch und jetzt soll ich ihm zeigen, ob ich den auch erfüllt habe. Strapse, ein Satinslip und Nylons. Auf Halterlose oder Strümpfe habe ich auf Grund von 2 Grad Außentemperatur verzichtet, aber das wusste er vorher schon. Ich ziehe mein Top aus und meinen Rock und lasse langsam die Strumpfhose über meine Beine gleiten. Ich habe eine schöne Korsage aus Spitze mit Strapsbändern an und wie gewünscht einen Slip aus Satin. Er scheint zufrieden zu sein, berührt mich und murmelt „du bist geil“. Den Satz höre ich noch öfters und als die Zeit um ist, bereut er sofort, dass er nicht doch noch zum EC-Automaten gegangen ist, damit ich jetzt noch länger bleiben kann. Aber es ist spät und ich bin müde. Er ruft mir ein Taxi und habe Angst, dass er einschläft bevor ich nach Hause komme und er die Zahlung nicht mehr bestätigen kann. Die freundliche Taxi-Fahrerin schickt die Anfrage ab, ich wähle vorsichtshalber seine Nummer, aber da ruft sie auch schon „hat geklappt! So muss es sein!“ Ich schicke ihm eine Nachricht, dass es geklappt hat und bedanke mich und er schickt mir 20 weitere Nachrichten, wie geil er das fand und dass er noch mal könnte und wie toll es wäre, wenn ich jetzt noch bei ihm wäre. Ich weiß, dass er regelmäßig Overnights macht und ich weiß, dass er meinen recht hohen Preis dafür kennt und vertröste ihn auf das nächste Mal. Er ist nämlich regelmäßig in der Nähe.

Die nächsten Tage ist es wieder ruhig. Sie kommen nämlich immer alle auf einmal. Oder gar nicht.