Ja, ich habe Lust

Es ist Wochenende. Ich habe einen schönen Tag mit einer Freundin verbracht und mein Schrittzähler zeigt mir 25.000 Schritte an. Es ist nicht mal 22 Uhr, als ich in meine WG komme und mich müde auf mein Bett werfe. Meine Mitbewohnerin ist da und scheint Titanic zu gucken und ich beschließe, passend dazu ein paar Folgen Sex and the City zu schauen.

Plötzlich lese ich eine Mail von Jens. Jens ist Mitte 30 und kenne ich schon seit zwei oder drei Jahren. Wir haben uns seitdem ein paar Mal getroffen. Er ist sehr unkompliziert, meldet sich nur, wenn er geil ist und Zeit hat. Er ist der einzige, den ich in meine Wohnung lassen würde und der einzige, mit dem ich 30-minütige Dates ausmache. Letztes Mal hat er mich an einem verregneten Sonntagmorgen nach dem Frühstück abgeholt und wir sind raus gefahren an ein verlassenes Örtchen und heute soll es ähnlich werden. Auch etwas, was nur ihm vorenthalten ist. Mit anderen Kunden würde ich das nicht machen. Wozu auch? Outdoor ist selten erregend, sondern meistens nur unbequem und anstrengend. Aber mit ihm mache ich das. Weil es Spaß macht und ich Lust auf ihn habe. Also sage ich zu, als er fragt, ob ich mich heute noch mit ihm treffen will.

Es wird immer später und ich fange an zu gähnen. Manchmal kommt er nach einem „okay“ von mir innerhalb von 15min. vorbei. Manchmal dauert es, wie heute, zwei Stunden, weil er noch Gäste in seiner Wohnung hat. Ich frage nach, wie es aussieht, ob ich mich fertig machen soll und er antwortet sofort, dass ich das machen soll.

Ich überlege nicht lange, was ich anziehe. Das T-Shirt und der Rock vom gleichen Tag sind in Ordnung. Den BH lasse ich direkt weg, aber den Slip wechsle ich, wasche mich noch einmal und ziehe mir eine Leggings statt eine Strumpfhose an, weil ich die im Dunkeln eh nie wieder anbekommen würde.

Dann die Nachricht, dass er fast da ist. Ich schnappe mir einen Rucksack, stopfe eine große Decke rein und ein kleines Täschchen mit Gleitgel und Kondomen. Ich ziehe mir die Schuhe an und kann sehen, dass er wieder geschrieben hat. Er ist jetzt da.

Meine Mitbewohnerin schläft bereits. Leise schleiche ich mich aus der Wohnung und sehe dann sein Auto vor dem Haus stehen. Ich öffne die Tür und steige ein.

„Na, alles klar?!“ begrüßt er mich und fährt sofort los.

Jens ist Mitte 30 und sieht nicht schlecht aus. Er ist groß, sportlich, hat noch immer alle Haare auf dem Kopf und kaum welche am Körper. Es macht Spaß ihn anzufassen, er hat starke Arme zum festklammern, einen trainierten, haarlosen Rücken, riecht niemals unangenehm, ist höflich, freundlich und nett. Er ist etwas wortkarg und wahrscheinlich lange nicht so gebildet wie der Rest meiner Kunden, aber das bedeutet nur weniger Arbeit für mich, weil er keine anstrengenden Gespräche führen will, bei denen ich stets aufpassen muss. Hätte ich ihn nicht über diesen Weg kennen gelernt, sondern über einen anderen, dann hätte ich mir vorstellen können, ihn regelmäßig in meinem Bett zu begrüßen. Aber jetzt bezahlt er nun mal dafür und er ist zu höflich, um zu fragen, ob ich das auch nicht ohne Geld machen will.

 

Wir halten an einer Sparkasse, weil er noch Geld holen muss. Doch die hat geschlossen. Ich lotse ihn zur nächsten, die einen Außenautomaten hat und die hat noch geöffnet. Anschließend fahren wir weiter. Er kennt sich nicht aus und weil ich mich auch kaum auskenne, fahren wir zu der Stelle, die ich von anderen kenne. Als wir besagte Stelle erreichen, stehen ein paar Autos dort und wir hören Musik.

„Das war letztes Mal aber noch nicht so“, sage ich und denke, dass er jetzt lieber woanders hinmöchte, aber nein. Er steigt aus und sucht nach dem Spielplatz, von dem ich erzählt habe. Ich will weder alleine im Auto sitzen bleiben, noch alleine durch die Gegend irren, weswegen ich ihm schnell hinterher laufe.

Es ist dunkel und der Mond leuchtet nicht hell genug, so dass wir kaum etwas sehen können. Ich versuche mit ihm Schritt zu halten. Er wirkt stark genug, um jemanden umhauen zu können, wenn wir überfallen werden sollten, weswegen ich ihm einfach folge. Ich bin kurz davor, mich an seinem Arm festzuklammern. Wie die Frauen in Horrorfilmen, aber dann halte ich mich doch noch zurück.

Wir finden den Spielplatz und es ist keine Person zu sehen. Wir schauen uns ein wenig um und dann möchte er sich irgendwo niederlassen. Ich sehe Bänke, Tischtennisplatten und anderes, aber es soll die Wiese bei den Bäumen sein. Direkt hinter dem Spielplatz ist ein Wald. Was ist, wenn da Wildschweine sind?

„Die schlafen bestimmt“, sagt er, aber ich bin mir da nicht so sicher. Ich weiß, wie laut ich werden kann, also einigen wir uns auf ein Fleckchen nicht direkt am Waldrand. Ich breite die mitgebrachte Decke aus und dann geht es los. Ich friere schon fast ein bisschen, aber er ist warm. Und hart. Wahrscheinlich schon seitdem er losgefahren ist. Oder als ich eingestiegen bin. Oder schon vorher.

Jens küsst sehr gerne und lange, was auf dem harten Boden des Spielplatzes ein wenig anstrengend wird. Anstrengend wird auch die Leggings, die ich mir angezogen habe. Vielleicht hätte ich mich doch für ein langes Kleid entscheiden sollen. Aber es klappt. Immer mal wieder mit Unterbrechungen, weil ich denke, jemanden zu sehen, aber irgendwann wird es mir egal. Und dann dauert es nicht lange, bis wir fertig sind. Erst ich. Und dann er. Jens lässt nämlich nicht locker, bis ich nicht auch gekommen bin, weswegen ich nach kurzer Zeit immer nachhelfe. Besser als wund zu werden.

 

Wir sammeln alles zusammen (lasst niemals euren Müll auf einem Spielplatz liegen. Das macht man nicht!) und kehren zurück zum Auto. Wir plaudern ein wenig, während Jens mich zurück nach Hause bringt und verabschieden uns bis zum nächsten Mal.

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Ich will nur 5 Minuten

„Ich bin da“, schreibt mir Andre. Ich schaue aus dem Fenster und sehe einen Mann in die Straße laufen, die ich als Treffpunkt genannt habe. Ich scrolle in den Nachrichten nach oben, um zu kontrollieren, ob es von den Klamotten her passt und ja. Das müsste er sein. Schnell ziehe ich mir meinen Mantel über, meine Schuhe an und laufe nach draußen. Er sieht mich, breitet die Hände fragend auseinander und kommt dann zu mir auf die andere Straßenseite.

Andre hat mich bereits vor ein paar Monaten angeschrieben und wollte ein Treffen mit mir, was er Tage vorher wieder abgesagt hat. Es wäre nicht schlimm gewesen, wenn er es bei der Absage belassen hätte, aber er wollte weiter schreiben und hat sich dann spontan überlegt, dass er mich doch treffen will, weil die Faszination so groß ist. Ich hatte derweil ein Treffen mit einem anderen Kunden ausgemacht, hätte ihn aber noch dazwischen quetschen können, jedoch wollte er den Termin verschieben, weil er noch shoppen wollte. Ich habe abgesagt, woraufhin er mit einem dummen Kommentar geantwortet hat.

Monate später meldet er sich also wieder. Ist in der Stadt, will ein Treffen vereinbaren, nur um es einen Tag später wieder abzusagen, weil die Kollegen ihm ein falsches Hotel genannt haben und er gar nicht in meiner Stadt ist, sondern nur in einem Vorort.

Aber anstatt es bei der Absage zu belassen, schreibt er weiter. Lange Nachrichten, die ich kurz und knapp beantworte. Eine Antwort ist besser als keine, also schreibt er weiter und irgendwann erhalte ich die Frage, ob er mich zum Essen einladen darf. Natürlich bezahlt. Ich habe keinen Hunger und in 1,5 Stunden einen Termin, also lehne ich ab. Außerdem regnet es. Er will aber nicht aufgeben. Aus dem Essen ein kurzes Treffen machen. Nur fünf Minuten. Ich überlege, ob es in meiner Nähe irgendetwas gibt, wo man kurz einen Kaffee trinken könnte, aber die Zeit wird knapp.

„Ich komme irgendwohin, wo Sie wollen und gebe Ihnen 50 Euro als Entschädigung für die letzten zwei Male.“

Ja, er siezt mich. Er ist zehn Jahre älter als ich und siezt mich. Ich sieze ihn nicht.

 

Ich bin nicht auf das Geld angewiesen und es klingt nicht mal verlockend, trotzdem bin ich irgendwie neugierig darauf, ob er tatsächlich kommt und möchte wissen, wer hinter all diesen Nachrichten steckt. Also stimme ich zu. Nenne ihn die Straße vor meinem Haus, auf die ich einen Blick werfen kann, wenn ich aus dem Fenster gucke.

 

Und da ist er nun. Schwarze Jacke, graue Hose. Hektisch läuft er in die Straße, tippt dabei auf sein Handy und ich erhalte die Nachricht, dass er da ist.

Er steht mir gegenüber und ist nervös. Seine Hände zittern. Das sehe ich, als er sein Portemonnaie zückt und mir das Geld überreicht. Er redet. Schnell und viel. Stellt sich vor, bezeichnet sich selbst als Idioten und hofft mit dieser Geste noch eine Chance bei mir zu haben, wenn er das nächste Mal da ist. Ich nicke. Er wirkt sympathisch. Ich hatte mir nach all den Nachrichten einen anderen Mann vorgestellt. So einen fies aussehenden Mann im karierten Jackett. Wie mein damaliger Englischlehrer, der seinen Job wirklich gehasst hat und seine Schüler auch.

Ich nicke und lächle. Und warte ab. Ich hatte das Gespräch online mit einem „weitere Fragen werde ich dir gerne bei einem bezahlten Treffen beantworten. Ich sehe nicht ein, dich weiterhin kostenlos zu bespaßen“ beendet, was er eingesehen hat. Ich warte, dass er mir Fragen stellt. Zu meinen Vorlieben oder ähnlichem. Aber es kommt nichts. Er wollte mir wirklich nur das Geld überreichen.

Er verabschiedet sich wieder und ich warte, bis er wieder gegangen ist, damit er nicht sieht, in welches Haus ich laufe.

ein guter Arbeitstag

Es ist 18.15 Uhr als ich auf die Uhr starre und mir von google maps den Weg zum Hotel zeigen lasse. Heute hat Joachim mich gebucht. Wir kennen uns bereits und haben uns vor ein paar Monaten im gleichen Hotel getroffen. Das Hotel, das auf der anderen Seite der Stadt liegt und für den Weg dahin ich nur noch 15 Minuten Zeit habe. Ich überlege mir ein Taxi zu rufen, aber als ich am Taxistand bin, denke ich an den Feierabendverkehr und dass ich zu Fuß quer durch die Stadt wohl schneller bin. Ich beeile mich und erreiche pünktlich um 18.29 Uhr das Hotel, vor dem Joachim bereits steht.

Er ist groß, gut gekleidet, riecht angenehm und begrüßt mich lächelnd mit einem Küsschen links und rechts. Er hat bereits eingecheckt, weswegen wir den Seiteneingang nutzen. Die Rezeptionistin sitzt gerade draußen, raucht und starrt uns hinterher. Natürlich weiß sie, was hier in der nächsten Stunde passieren wird. Aber wir sind sicherlich nicht die Einzigen, die sich heute hier in diesem Hotel vergnügen wollen, denn es ist eins der wenigen, das man tagsüber für ein paar Stunden buchen kann, wenn man kein explizit ausgeschriebenes Stundenhotel nehmen möchte. Die mag ich nämlich nicht. Das hat was von Swingerclub. Nur, dass es halt abgeschlossene Türen gibt.

 

Wir kommen am Zimmer an und er warnt mich vor. Es war das Letzte, was sie hatten und er wurde gefragt, ob er es überhaupt haben möchte, aber er hatte keine Wahl. Als ich reinkomme, verstehe ich, was er meint. Ein Einzelzimmer.

„Ich hatte eigentlich ein Doppelzimmer gebucht. Aber hier herrscht wohl Chaos.“

Für das, was wir vorhaben, reicht das aber. Joachim überreicht mir mein Honorar und wir ziehen uns langsam aus. Beim letzten Mal haben wir vorher noch geredet. Joachim mag es nämlich nicht, wenn man direkt aufs Zimmer geht und dann loslegt. Aber das Reden haben wir ja bereits hinter uns, weswegen es sofort losgehen kann.

Joachim bezahlt mich dafür, dass ich mich nackt auf den Bauch lege und er mich dann massieren darf. Er steht auf Tantramassagen. Nicht bei sich selbst, sondern bei einer Frau.

Seine Frau Zuhause steht wohl nicht darauf, vielleicht hat er auch keine, was ich mir aber nicht vorstellen kann, denn Joachim ist attraktiv, nett, gebildet und verdient recht gut. Während attraktive Frauen in den 20ern die freie Wahl haben und an jedem Finger 20 Männer haben könnten, haben Männer mit 40 dieses Glück. Wenn sie denn ungebunden, attraktiv und vermögend sind.

Joachim verteilt Öl auf meinem Körper, massiert mich und fordert mich dann auf, mich umzudrehen.

Letztes Mal hat er mich ziemlich schnell zum Höhepunkt gebracht, heute auch. Aber er hat es gleichzeitig auch geschafft, ihn kaputt zu machen. Daher versucht er es noch ein paar Mal bis ich nicht mehr kann. Er legt sich neben mich und ich fange an, ihn zu streicheln und meine Hand zum Einsatz zu bringen. Denn seine Regeln sind recht klar: Nur reine Handarbeit. Nicht mal Küsse auf den Mund sind erlaubt. Immer wieder kommt er mit seinem Gesicht meinem näher und zielt mit seinem Mund genau auf meinen bis ihm dann wieder einfällt, dass er das ja nicht macht.

Aber dann lässt er los, lässt sich fallen und die letzten 45 Minuten haben ihn so erregt, dass ich wirklich nicht lang brauche, um auch ihn zum Höhepunkt zu bringen.

Erschöpft bleibt er liegen und ich schiele auf die Uhr. Ich habe um 20 Uhr den nächsten Kunden. Ebenfalls in diesem Hotel.

 

Wir reden noch ein bisschen bis die Stunde vorbei ist. Er ist zum Glück sehr korrekt und überzieht auch nicht, sonst wäre das mit dem nächsten Kunden sehr knapp geworden. Normalerweise lasse ich mir zwischen zwei Kunden mehr Zeit, aber ein anderer für 21 Uhr hat wieder abgesagt und die Zimmer in diesem Hotel sind nur bis 22 Uhr stundenweise verfügbar.

Ich springe schnell unter die Dusche, um mich vom Öl und Joachims Geruch zu befreien, bürste meine Haare, ziehe meinen Lippenstift nach und kontrolliere mein Make-Up und dann verschwinden wir unauffällig wieder durch den Seiteneingang.

Ich bin froh, dass dieser geöffnet gewesen ist, denn zuvor habe ich mir bereits ausgemalt, wie ich unauffällig an der Rezeption mit zwei verschiedenen Männern vorbei kommen soll.

Joachim und ich bleiben vor dem Hotel stehen. Ich schiele auf meine Uhr und sehe, dass ich nur noch 20 Minuten Zeit habe. Mein Magen knurrt und ich will unbedingt etwas essen bevor ich mich dann mit Mario, meinem nächsten Kunden, treffe.

Als ich die Einfahrt vom Hotel entlang laufe, schaue ich mich um und meine Mario gesehen zu haben, der gerade telefoniert. Ich habe seine Stimme erkannt, denn ein Foto habe ich nicht von ihm, aber an seinem Akzent kann ich mir vorstellen, wie er aussieht. Schnell zücke ich mein anderes Handy hervor und tatsächlich „bin schon da. Warte vor dem Hotel. Wie lange brauchst du?“

Schnell laufe ich davon und antworte dann, dass ich noch 15 Minuten brauche, während ich den Bäcker ansteuere, der aber gerade umgebaut wird. Ich laufe auf den nächsten zu, der ebenfalls geschlossen hat und kaufe mir eine Bratwurst. Die sollte den kleinen Hunger stillen.

Mario fragt, ob er schon mal einchecken soll und ich bejahe. Ich habe sowieso ein schlechtes Gefühl, denn Joachim hat das letzte Zimmer bekommen. Welches wollten sie Mario geben?

Ich esse meine Wurst und schaue wieder aufs Handy, auf dem ich als letzte Nachricht eine Wegbeschreibung lese. Hm?

Ich scrolle hoch und lese den Rest.

„Das Hotel hat keine Zimmer mehr frei. Die haben mich zu einem anderen geschickt. Ich laufe da jetzt hin.“

Es sind nur fünf Minuten Fußweg vom anderen Hotel und ich benötige knapp 15 von der Bratwurstbude aus. Also hole ich mir noch ein Eis und laufe dann los.

Als ich ankomme, steht Mario bereits vor dem Hotel. Er erkennt mich nicht sofort, starrt auf sein Handy, ich auf meins und gucke ihn fragend an.

„Bist du wegen dem Treffen hier?“

„Ja“, antworte ich und er lächelt.

 

Mario ist das komplette Gegenteil von Joachim. Er ist klein, hat einen dicken Bauch und ein finster aussehendes Gesicht, was wohl seinen buschigen Augenbrauen geschuldet ist. Er fragt, ob wir reingehen sollen und ich bejahe. Man soll sich von Äußerlichkeiten nicht abschrecken lassen, außerdem hat er sehr gute Bewertungen von vertrauenswürdigen Escorts. Er checkt ein, während ich unsichtbar im Eingangsbereich warte und wir beziehen das Zimmer. Es war wahrscheinlich nur noch das übrig, denn es ist ein Dreibettzimmer. Ein großes Doppelbett und in einem Nebenraum befindet sich noch ein Einzelbett. Die Toilette ist vom Bad getrennt. Er überreicht mir mein Honorar für erstmal eine Stunde. Das ist blöd. Lieber bespreche ich vorab schon, wie lange es gehen soll. Es bleibt meistens bei einer Stunde.

Mario sucht die Toilette auf und setzt sich dann neben mich. Er will mich anfassen und küssen, aber ich kann nur daran denken, dass die Toilette nur die Toilette ist und kein Waschbecken hat.

„Willst du dir vorher nicht die Hände waschen?“

„Ach so, ja natürlich. Und duschen? Willst du duschen?“

Ich war gerade eben erst. Das zweite Mal an diesem Tag. Meine Haut findet das langsam nicht mehr witzig, also verneine ich.

Er duscht, ich mache mir die Flasche Wasser auf, die für die Gäste bereit steht und warte.

Mario kommt wieder und will sofort anfangen. Er ist sehr stürmisch und allein ein Blick auf mich und die Vorstellung, dass er mich gleich nackt sehen wird, reicht ihm, um hart zu werden.

Er bleibt weiterhin stürmisch, ich bin immer noch in diesem trägen Zustand nach einer Massage und kann nicht ganz mithalten. Aber das ist egal. Er macht einfach und langsam kann ich die ganzen guten Bewertungen verstehen. Denn er ist gut. Er kommt und dreht sich erschöpft zur Seite.

„Das war intensiv“, sagt er.

 

Nachdem wir fertig sind, will er reden. Fragt mich, was ich studiere, ich frage, was er macht und bin erstaunt. Das habe ich nicht erwartet. Er ist ein angenehmer Gesprächspartner und ich überziehe, weil ich zu faul bin, um aufzustehen. Noch einmal stelle ich mich unter die Dusche und gehe dann nach Hause. Das war ein guter Arbeitstag.

ein kleiner Zwischenstopp

Ich sitze in einem alten IC Richtung Großstadt. Der Zug ist so alt, dass es nicht mal eine Steckdose gibt, also nutze ich meine Powerbank. WLAN gibt es natürlich auch nicht, aber ich habe mir genug Folgen einer neuen Serie runter geladen sowie Musik und auch ein Buch dabei. Die Fahrt vergeht wie im Flug und als ich planlos am Bahnhof stehe und eine Freundin frage, wo ich die S-Bahn finde, bin ich plötzlich ganz aufgeregt. Ich verreise normalerweise selten alleine. Also komplett alleine. Ich bin schon alleine geflogen und natürlich auch schon alleine Bahn gefahren, aber dann hat am Ende immer wer auf mich gewartet und ich war doch nicht mehr so alleine. Aber heute bin ich ganz auf mich gestellt. Die Stadt ist mir nicht fremd, ich war vor ein paar Monaten schon hier und habe eine ganz gute Orientierung, aber nur Dank google maps und google maps zeigt dir nicht, wo du im Bahnhof das richtige Gleis findest. Also bin ich verloren.

Ich schaffe es doch und checke in meinem Hotel ein. Es ist sauber, es ist ruhig und ich schlafe sofort ein. Am nächsten Tag habe ich einen Ausflug geplant und will mich abends mit einer Freundin treffen.

Mein Profil habe ich umgestellt, um den Kunden zu signalisieren, dass ich hier bin und sie mich buchen können. Eventuell sogar besuchen.

Aber die Anfragen bleiben zunächst aus. Zu groß ist wahrscheinlich das Angebot hier und die Konkurrenz ist billiger. Aber ich bin eh erstmal beschäftigt.

Am darauf folgenden Tag kommt aber eine Anfrage. Von Mark.

Mark ist 40 und sein Profil ist nicht ausgefüllt. Ich weiß nichts von ihm, aber er scheint mein Profil gelesen zu haben und es gefällt ihm. Er möchte mich unbedingt treffen. Aber ich habe keine Zeit, weil ich shoppen gehen möchte. Abends würde mir passen. Abends muss er schlafen. Aber ich reize ihn sehr, also soll ich mich melden, wenn ich Zeit habe. Dann verzichtet er halt auf Schlaf.

 

Ich gehe shoppen und stelle fest, dass sein Hotel nur eine Straße weiter ist. Ich schreibe ihm, dass ich gerade fast direkt davor stehe und er antwortet sofort. Keine fünf Minuten später stehen wir uns gegenüber. Er betrachtet mich. Schaut immer wieder an meinem Körper hoch und runter bis er lächelt.

„Sehr schön“, sagt er. Ich betrachte ihn ebenfalls. Er sieht nicht aus wie 40. Er sieht eher aus wie Anfang 30. Er hat volle Haare, kein einziges graues Haar und keine Falten. Was ist sein Geheimnis?

Er trägt teure Klamotten und sieht aus wie all die Jura-Ersties bei mir in der Uni, die die „Kleiderordnung fürs Juridicum“ sehr ernst nehmen. Ich weiß sofort, dass Zuhause eine hübsche, dünne Frau mit langen, blonden Haaren auf seine Rückkehr wartet und er jetzt, während seiner Dienstreise, Lust auf etwas Abwechslung hat.

Wir laufen zu seinem Hotel, das nur mit einer Schlüsselkarte öffnet und keine Rezeption hat, wo jemand sitzen könnte und einem misstrauische Blicke zuwirft. Wir stehen im Fahrstuhl und er wirft immer wieder auffällige Blicke auf meine Brüste.

„Ich bin wirklich froh, dass das noch geklappt hat“, sagt er und wir laufen zu seinem Zimmer. Es ist nicht aufgeräumt, Teller mit Essensreste stehen in der Pantryküche und überall liegen Klamotten.

„Entschuldige die Unordnung, ich habe die letzten Tage komplett durchgearbeitet. Heute habe ich das erste Mal seit Wochen frei.“

Ich frage ihn, was er macht, aber er will es mir nicht verraten. „Du könntest zu schnell herausfinden, wer genau ich bin.“

Er verrät mir die Branche und ich frage mich, ob mir ein berühmter Musiker gegenübersitzt.

 

Er zückt sein Portemonnaie und überreicht mir das Honorar für eine Stunde.

„Erstmal eine Stunde und dann gucken wir?“, fragt er und ich nicke.

Er setzt sich auf das Bett, will, dass ich mich ausziehe und guckt ganz genau dabei zu.

„Sehr schön“, sagt er immer wieder bis ich komplett nackt bin und mich zu ihm aufs Bett setze.

Es dauert nur eine halbe Stunde bis erst ich und dann er kommen. Es ist ziemlich wild, er sehr fordernd und ich bin froh, als er mich nach der Hälfte der Zeit wieder gehen lässt. Es war zwar gut, aber ich merke, dass ich wund werde.

„Du bist noch zwei Tage hier oder?“, fragt er.

„Ja, richtig.“

„Darf ich mich noch mal melden?“

„Klar“

Ich gehe durch die Tür und verlasse das Hotel. Kaum draußen, bin ich wieder mitten im geschehen. Keiner sieht mir an, was ich gemacht habe und für mich fühlt es sich gerade so an, als ob ich zwischen dem shoppen einen Termin wahrgenommen habe. Zur Massage oder ein Friseurbesuch. Kein Kundenbesuch.

Ich setze meinen Einkaufsbummel fort und investiere das Geld in ein paar neue Kleider.

Von Mark höre ich nichts mehr. Aber das ist ja nichts Neues.

Ich muss mir noch eine Ausrede überlegen

„Ich muss da eh etwas wegbringen. Das ist ja ganz bei dir in der Nähe. Und dann dauert das halt etwas länger“, schreibt mir Thorsten, was ich gar nicht wissen will. Denn das ist sein „Fluchtplan“, um sich von zu Hause wegschleichen zu können, damit er mich treffen kann.

Ich sitze gerade im Zug, als er mir schreibt und bin auf dem Weg zu meinen Eltern. Als ich vor ein paar Monaten hier gewesen bin, habe ich einen neuen „Stammkunden“ gewonnen. So bezeichnet sich Thorsten zumindest, der es direkt nach dem ersten und bisher einzigen Treffen bedauert hat, dass ich nur alle paar Monate zu Besuch hier bin, weil er mich sonst alle paar Tage buchen würde. Daher schreibt er mir nach dem ersten Treffen auch alle paar Tage, um zu fragen, wann ich wieder da bin. Als ich tatsächlich da gewesen bin, hat es nicht geklappt und er hat sich nicht mehr gemeldet. Wie immer. Man will es nur dann, wenn es nicht erreichbar ist.

Ich kenne solche Männer, weil ich sie bereits privat gedated habe und ich mag sie nicht. Also schenke ich Thorstens Nachrichten nur wenig Aufmerksamkeit, als ich zufällig mein Arbeitshandy in die Hand nehme.

Aber dann erwischt er mich, als ich gerade eine Reise nach Hause plane und ich teile ihm mit, wann ich Zuhause bin. Ich denke mir zwar, dass es eh nichts wird, aber wer weiß.

 

Es wird was, weil es genügend Gelegenheiten gibt, in denen er sich raus schleichen kann. Auf dem Weg zum Baumarkt, auf dem Weg zurück von einem Stammtisch oder auf dem Weg in die Werkstatt. Das kann alles etwas länger dauern und mit seinen „Sicherheitsvorkehrungen“ wird seine „sie“ auch nichts davon mitbekommen.

Einige Männer sind da etwas diskreter, was das Versteckspiel mit der Frau angeht. Sie finden das, genau wie ich, abturnend, wenn sie dauernd betonen müssen, dass das alles absolut geheim und diskret ablaufen soll. Dass das auch in meinem Interesse ist, verstehen diese Thorstens nicht. Tatsächlich schreiben 50% aller Männer, dass ich ihre Nummer diskret behandeln soll, wenn wir den obligatorischen Telefoncheck machen. Als ich einen Mal gefragt habe, was er denkt, was ich mit der Nummer machen würde, sagt er tatsächlich: „Kann ja sein, dass du mich Freitagabend anrufst oder schreibst, um zu fragen, ob wir Essen gehen.“

Wenn ich Freitagabend essen gehen will, suche ich mir ein Date, das mich optisch anspricht oder frage eine Freundin und keinen Kunden mit Bierbauch, der 10cm kleiner ist als ich und 30 Jahre älter. Dass ER für MEINE Gesellschaft bezahlt und nicht umgekehrt, hat er scheinbar völlig vergessen. Er denkt, dass ich ihn tatsächlich super toll und attraktiv finde und dass mich seine Anwesenheit genau so verzückt wie meine ihn. Dass er sich meine Aufmerksamkeit erkauft hat und verschwindet, sobald die Zeit abgelaufen ist, kommt ihn nicht in den Sinn.

 

Aber zurück zu Thorsten. Thorsten ist gerade bei einem Stammtisch und auf dem Rückweg will er bei mir halten und dann suchen wir uns eine Stelle. Outdoor-Treffen biete ich normalerweise nicht an, weil es mir zu unhygienisch, zu unsicher und zu unbequem ist, aber Thorsten kenne ich ja bereits und er trifft selbst genug „Sicherheitsvorkehrungen“, damit seine „sie“ bloß nicht riecht, dass er bei einer Frau war. Er schreibt mir, dass er unterwegs ist. Leider kommt die Nachricht nicht bei mir an, weil er im Funkloch steckt. Erst 40min. später, als er bereits am vereinbarten Treffpunkt steht. Schnell wasche ich mich, ziehe mir etwas anderes an und schlüpfe in meine Schuhe. Es ist dunkel und weil ich von Thorsten nicht allzu viel halte, ist es mir egal, wie ich aussehe.

Thorsten ist zwar kein unangenehmer Kunde, aber diese ständige Betonung, dass es diskret sein soll und dass er eine Familie im Rücken hat, weswegen er alles genau planen muss, macht ihn unsympathisch. Weil er auf der anderen Seite bisher aber sehr unkompliziert gewesen ist, stimme ich trotzdem zu, denn schließlich habe ich gerade meinen 4. Urlaub für dieses Jahr gebucht. Manchmal denke ich auch mir „Augen zu und durch“.

 

Ich stehe also mit meinem 3€ Kik-Tshirt, das ich Zuhause als Kleid trage, Leggings und bunten Socken in meinem alten Kinderzimmer, kämme noch einmal meine Haare durch und ziehe dann meine Stiefel über, bevor ich lautlos das Haus verlasse.

Er steht am vereinbarten Treffpunkt, ich steige in das große Auto ein und er begrüßt mich ruhig. Er ist sehr ruhig. Das ist einfach seine Art. Er sagt nicht viel und mir ist das Recht. Mir ist nicht nach Reden. Er erklärt mir, wie er sich wegschleichen konnte, was mich nicht interessiert und wir fahren zu einem abgeschiedenen Ort. Es ist nicht mein Auto, daher ist es mir egal, wo wir halten und eventuell gesehen werden könnten. Ich liege sowieso im Auto, während er davor steht. Es ist alles sehr merkwürdig, sehr unpersönlich und nicht wirklich aufregend, aber er hat Spielzeug mitgebracht, was ich ziemlich spannend finde und am Ende komme ich sogar, weswegen es dann doch kein kompletter Reinfall gewesen ist. Also neben dem Geld. Nachdem auch er gekommen ist, steige ich wieder aus, ziehe meine Leggings zurecht und setze mich auf den Beifahrersitz. Insgeheim hoffe ich, dass seine „sie“ eins meiner dunklen Haare am Kindersitz findet, während er neben mir sitzt und an seinen Händen schnüffelt.

„Ich habe nicht bedacht, dass die Handschuhe ja riechen. Wie erkläre ich das bloß?“ Weil es mir egal ist, zucke ich nur mit den Schultern. Das ist sein Problem. Er bringt mich zurück und sagt „bis zum nächsten Mal“. Noch bevor wir uns getroffen haben, wollte er direkt zwei Treffen vereinbaren. Die Chance nutzen, so lange ich hier bin. Aber ich habe mich darauf nicht eingelassen. Ich weiß, wie die „Geilheitsbrille“ wirkt, wenn man noch nicht bekommen hat, was man wollte. Da denkt man vorher, dass man 5 Stunden durchhält, während die Realität so aussieht, dass nach einer halben Stunde alles vorbei ist.

Und tatsächlich habe ich nichts mehr von ihm gehört. Wie immer.

„Hast du spontan Zeit?“

„Hey, ich hätte jetzt Zeit“, schreibt mir Michael. Michael schreibt mir immer mal wieder, wenn ich in der Gegend bin und er sieht, dass ich online bin. Ich erwidere lediglich, dass das ja schön für ihn ist und packe ihn dann auf die Ignore-Liste. Denn Michael schreibt immer nur spontan und will dann, dass ich sofort herkomme. Das wollen natürlich viele Männer, dass da ein großer Aufwand hintersteckt und man nicht mal eben so spontan vorbei kommen kann, können die sich nicht denken.

Denn natürlich gehe ich vor jedem Kunden frisch duschen. Wenn ich mich nicht schon am Morgen rasiert habe, dann mache ich das jetzt. Anschließend creme ich mich ein, trage meine Gesichtspflege auf und suche mir dann meine Klamotten raus. Allein das Duschen und Anziehen dauert eine halbe Stunde.

Anschließend schminke ich mich, denn der Kunde erwartet natürlich eine zurecht gemachte, hübsche Frau, die trotzdem nach Mädchen von nebenan aussieht. Und wenn das nicht so ist, dann wird wieder gelästert und die Frau wird in diversen Foren schlecht gemacht. „Die kam mit fettigen Haaren zu mir und hatte voll die schlechte Haut und Augenringe. Da bezahlt man so viel und die gibt sich gar keine Mühe.“

Und so ein „ungeschminkt-Look“ dauert länger als jeder andere.

Die Foundation muss perfekt eingearbeitet werden, damit sie später keine Spuren auf seinem Hemd hinterlässt, die Augenbrauen müssen gezupft und wischfest nachgezogen sein und der Lidschatten so gewählt, dass die Augen strahlen, aber man trotzdem nicht erkennt, dass man Lidschatten trägt.

Einmal trug ich eben dieses „natürliche“ Make-Up. Ich hatte ziemliche viele Produkte auf dem Gesicht und der Kunde schaut mich zufrieden an und sagt „ich bin echt froh, dass du nicht wie die anderen so viel Make-Up trägst“.

Und am Ende kommen noch die Haare. Sie sollen glänzen, voluminös sein und schön fallen. Bei mir tun sie das nicht von alleine, also muss ich diverse Produkte benutzen und sie am Ende locken, damit alles gut sitzt.

Wenn ich mich beeile, schaffe ich das alles in einer Stunde. Aber dann muss ich auch noch meine Sachen packen, mir ein Taxi rufen und zu ihm fahren.

Erwähnter Kunde wohnt 30km von mir entfernt. Die Taxikosten würde er selbstverständlich nicht übernehmen, hofft stattdessen, dass ich in den Zug steige und ihm die 7€ Zugkosten nicht in Rechnung stelle. Der Bahnhof liegt natürlich nicht direkt vor meinem oder seinem Haus, also kommt zu der 30-minütigen Zugfahrt noch einmal 20min. von mir bis zum Bahnhof und 20min. vom Bahnhof bis zu ihm hinzu.

Wir sind also bei knapp 2,5 Stunden, wenn ich denn dann auch den Zug erwische und nicht noch eine halbe Stunde warten muss.

Ich schreibe ihm also, dass ich in 2,5 bis 3 Stunden bei ihm sein könnte und das ist natürlich viel zu spät. Das ist doch nicht spontan.

„Dann ist meine Frau ja wieder Zuhause“, erwidert er dann.

Natürlich. Er hat gerade eine leere Wohnung und dachte sich, dass er mal eben ein Escort zu sich einlädt, die in 10min. vor seiner Tür steht, 30min. an seinem Schwanz herumlutscht und dann wieder geht.

Wäre ja total praktisch. Also für ihn. Für mich wären das 5 Stunden Aufwand, die er mir natürlich mit höchstens 50€ belohnen würde. Schließlich war ich ja nur 30min. bei ihm. Also 30min. Arbeit. Dafür 50€. Ist doch super.

Dass Escorts, die ausschließlich Outcall machen, also den Kunden besuchen und nicht selbst empfangen, so hohe Stundenpreise verlangen und je nach Anfahrt Mindestbuchungsdauern haben, die ab einer Stunde anfangen, können sie sich natürlich nicht erklären. Schließlich sind 50€ für 30min. Spaß haben, ja immer noch viel Geld. Andere müssen dafür richtig arbeiten. Dass das wirkliche Arbeit ist, geht vielen nicht in den Kopf. Die denken, dass Escorts den ganzen Tag in Strapse zu Hause sitzen und auf Männer wie Michael warten, sich dann in ihre Beamingmaschine stellen und sofort überall sein können. Sie hat ja sonst nichts anderes zu tun.

 

Aber nein Michael. So ist das wirklich nicht.

„Ich habe keine Lust. Schönen Tag noch“

Gerade habe ich mit Jonas telefoniert. 28, sportlich, Handwerker mit eigenem Unternehmen. Er wirkt korrekt und zuverlässig, zumindest bis jetzt, aber trotzdem überkommt mich die Lust nicht, als wir miteinander reden. Er klingt wie ein … Kevin. Er hat diesen leicht asige Slang, den sich die Jüngeren aneignen, wenn sie zu viel Gangsterrap hören und das dann auch verinnerlichen.

„Im Auto machst du nicht, oder“, fragt er hoffnungsvoll, aber ich verneine. „Dann muss ich ja extra ein Hotel suchen.“

Musst du. Steht auch 3mal in meinem Profil, dass ich keine Autotreffen mache und dass ich ein gewisses Niveau erwarte, wenn man mich treffen möchte. Bei ihm scheint kein Niveau vorhanden zu sein. Er hat sich vorab auch nicht die Mühe gemacht, mein Profil vollständig zu lesen. Sonst hätte er mir das Passwort nennen können. Das kann er aber nicht.

„Was muss ich denn an Geld mitbringen? Waren das 100?“

Nein, das waren mehr und Taxikosten kommen auch noch dazu. Man hört, dass er überlegt, dass er damit eigentlich nicht einverstanden ist, aber er hat Bock und weiß, dass er das, was er will, nur bei mir bekommt.

„Ja gut. Okay“

„Hast du dir denn schon ein Hotel ausgesucht?“

Wiehern in der Leitung, weil er überlegt.

„Pff…na das billige an der Autobahnabfahrt, oder nicht?“

Meine Lust ist nicht mehr vorhanden, obwohl ich mir nur eine Stunde zuvor überlegt hatte, dass ich eigentlich Bock auf ein Treffen habe, aber er schafft es, dass nicht nur meine Laune sinkt.

„Aber Auto geht nicht, oder?“, fragt er noch einmal.

„Ich denke, es geht nicht mal mehr Hotel. Ich habe keine Lust“ und lege auf. Er schreibt mir auf WhatsApp: „Was ist den mit dir?“

Puh … dieser Rechtschreibfehler, den auch wirklich nur Kevins machen.

„Ich suche mir meine Kunden sehr sorgfältig aus und ich habe das Gefühl, dass es zwischen uns nicht passen wird“, tippe ich und blockiere sein Profil. „Wieso das den jetzt? Aber wenn du meinst. Schade“ und dann blockiere ich auch noch seine Nummer, nachdem ich ihm einen schönen Tag wünsche.

 

Ich denke an den Kunden von gestern, der mich zu sich nach Hause eingeladen hat. Er hat etwas zu Essen vorbereitet, Kerzen angezündet und die ganze Wohnung ansonsten abgedunkelt. Es ist aufgeräumt, auf dem Tisch stehen Süßigkeiten und aus dem Kühlschrank holt er extra den teuren Weißwein.

„Mir ist das wichtig, dass du dich wohl fühlst. Ich will nicht, dass das irgendeinen billigen Touch hat“, sagt er. Und ich fühle mich wohl, auch wenn der anschließende Sex recht langweilig ist. Mit Jonas wäre es sicherlich besser geworden, aber ich wäre nicht mit so einem guten Gefühl nach Hause gefahren wie nach dem gestrigen Date.